Charlottenburg
Am 1. Januar 2001 wurden die
damaligen Berliner Bezirke Charlottenburg und Wilmersdorf verbunden zum
neuen Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf. Der Kurfürstendamm ist seither
nicht mehr Grenze sondern pulsierender Mittelpunkt des Bezirks, der
viel zu bieten hat von der Gedächtniskirche bis zum Teufelsberg, vom
Havelstrand bis zur Technischen Universität, vom Olympiastadion bis zum
Horst-Dohm-Eisstadion, vom Schloss Charlottenburg bis zum Volkspark
Wilmersdorf, von der Deutschen Oper bis zur Schaubühne....
Am Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich mit dem Ausbau des
Kurfüstendammes zum Großstadtboulevard in Charlottenburg und
Wilmersdorf eine City-Filiale, die sich schnell zur lebhaften
Konkurrenz zur alten Stadtmitte Unter den Linden und an der
Friedrichstraße mauserte. Die Mischung aus Kultur, Kommerz und
Gastronomie bei einem gleichzeitig hohen Anteil großzügiger Wohnungen
wurde innerhalb weniger Jahren zu einem der Hauptanziehungspunkte
Berlins.
1896 entstand das Theater des Westens, 1907 das
Schillertheater und das Kaufhaus des Westens, 1912 das Opernhaus, an
dessen Stelle 1961 die Deutsche Oper Berlin neu eröffnet wurde.
In
den 20er Jahren des 20sten Jahrhunderts erlebte "Berlin W" als
westliche City Berlins rund um den Kurfürstendamm in Charlottenburg und
Wilmersdorf als international berühmte Flaniermeile ihren vorläufigen
Höhepunkt: Moderne Kinos, Theater, Kabarettbühnen, Revuen, Tanzcafés
und schicke Geschäfte lockten Touristen ebenso wie Berlinerinnen und
Berliner in die westliche City. Wer das historische Berlin erleben
wollte, ging zum Alexanderplatz und flanierte über die Linden zum
Brandenburger Tor. Wer das moderne, quirlige, internationale Berlin am
Puls der Zeit erleben wollte, der suchte es "rund um die
Gedächtniskirche rum"; - wie eine der populären Revuen damals hieß. Für
den amerikanischen Schriftsteller Thomas Wolfe war der Kurfürstendamm
damals "das größte Caféhaus Europas".
Aber die 1920 nach Berlin
eingemeindeten Bezirke Charlottenburg und Wilmersdorf - das war nicht
nur die westliche City. Dazu gehörten vornehme Villenkolonien wie
Westend und Grunewald, ausgedehnte bürgerliche Wohngegenden, etwa in
Schmargendorf, im Rheingauer Viertell rund um den Rüdesheimer Platz, in
Eichkamp oder entlang der Heerstraße. Dazu gehörten große
Laubenkolonien und ein großer Teil des Grunewaldes - beliebtes
Ausflugsziel für alle Berlinerinnen und Berliner. Dazu gehörten das
Messegelände mit dem 1926 eröffneten Funkturm, die 1921 als erste
Autorennstrecke in Deutschland gebaute Avus und das für die Olympischen
Spiele 1936 gebaute Olympiastadion.
Der Nationalsozialismus
zerstörte vieles, vor allem durch die Vertreibung und Ermordung der
jüdischen Bevölkerung. Charlottenburg und Wilmersdorf waren seit den
20er Jahren die beiden Bezirke mit dem höchsten Anteil jüdischer
Bevölkerung. Viele Juden hatten als Unternehmer, Künstler,
Intellektuelle, Schriftsteller und Mäzene einen großen Anteil an der
internationalen Ausstrahlung des Berliner Westens. Nachdem die inneren
Grundlagen dieser Erfolgsgeschichte zerstört waren, wurde im Zweiten
Weltkrieg auch äußerlich sichtbar viel wertvolle Bausubstanz
vernichtet. Als Mahnmal gegen den Krieg zeugt der Ruinenturm der
Gedächtniskirche davon.
Weithin sichtbares Ergebnis der
Trümmerbeseitigung nach dem Zweiten Weltkrieg ist der Teufelsberg, mit
115 Metern ebenso hoch wie die höchste natürliche Erbhebung Berlins,
die Müggelberge in Köpenick. Neue Wohnanlagen wurden gebaut, 1958 das
Le-Corbusier-Haus, 1960 die Paul-Hertz-Siedlung und 1972 die
spektakuläre Stadtautobahnüberbauung an der Schlangenbader Straße.
Mit
der Teilung der Stadt wurde die frühere City-Filiale zur neuen City
West-Berlins, zum "Schaufenster des Westens". Neue Wahrzeichen
entstanden wie das Europa-Center und das Internationale Congress
Centrum ICC.
Seit dem Fall der Mauer 1989 gibt es wieder einen
Wettbewerb zwischen den Berliner Zentren, und die Vielfalt Berlins
macht den Reiz der Stadt aus. Von den Anziehungspunkten im neuen
Regierungsviertel und in der alten Mitte profitiert auch die westliche
City, und von der ungebremsten Attraktivität des Westens profitiert
auch das historische Zentrum. Seit 1990 sind in
Charlottenburg-Wilmersdorf bedeutende Neubauten entstanden und mit der
Spreestadt zwischen Landwehrkanal und Spree ein neues Stadtviertel, das
an die Tradition des Wirtschafts- und Wissenschaftsstandorts
Charlottenburg anknüpft.
Aber auch heute gilt: Wer die westliche
City kennt, der kennt noch lange nicht den neuen Bezirk
Charlottenburg-Wilmersdorf. Der hat noch viel mehr zu bieten - von der
Waldbühne bis zur Bar jeder Vernunft, vom Grunewaldturm zum Volkspark
Jungfernheide ...