Mit Tradition in die Zukunft

Radikale Neugestaltung ist für Patzschke Architekten keine Option. Mit guten Argumenten fühlen  sich die Berliner architektonischen Traditionen verpflichtet. Das in der zweiten Generation von  der Gründerfamilie geprägte Büro denkt vorhandene Baukultur in die Zukunft weiter. Hinter Fassa- den mit klassischen Elementen offenbaren sich Raumgefüge für ein modernes Lebensgefühl.

Patzschke ArchitektenDer Wohnungsbau in Berlin entwickelt sich rasant. Was sind hier die besonderen Herausforderungen für Architekten?

Robert Patzschke: Nach der Wiedervereinigung stand die Stadtreparatur im Mittelpunkt. Das war zunächst ein wichtiger Entwicklungsschritt, heute jedoch steht die Stadt an einem anderen Punkt. Nun sind auch wieder extravagante Neubauten und Hochhäuser möglich. Doch ich glaube nicht, dass eine Stadt wie Berlin mit zwei, drei hohen Häusern um internationale Anerkennung buhlen muss. Berlin ist eine europäische Stadt, die eine behutsame Entwicklung braucht.

Welche Anforderungen werden heute an Architektur gestellt, stellen Sie Veränderungen fest?

Auch heute ist die Aufgabe von Architektur, Lebensräume für Menschen zu schaffen. Die Bedürfnisse der Menschen haben sich ja nicht grundsätzlich gewandelt. Geändert hat sich die Arbeit des Architekten. Der Entwurf bleibt der wichtigste Teil, aber es kommt viel Management und Kommunikation dazu. Auch wenn Computerprogramme und -tools heute unabdingbar sind, bin ich ein starker Verfechter der Handzeichnung. Varianten und Details lassen sich mit einer Skizze intensiver untersuchen. Der Computer nimmt die intuitive Spontaneität.

Das „Hotel Adlon“ am Branden- burger Tor ist sicher das bekannteste Patzschke-Projekt. Was sind aktuell Ihre Schwerpunkte?

Viele unserer Gebäude fügen sich mit einer gewissen Selbstverständlichkeit in das Straßenbild. Allein im Bezirk Mitte haben wir 30 Gebäude fertiggestellt, weitere 30 in Charlottenburg und Wilmersdorf. Die Schwerpunkte liegen klar im Wohnungsbau, aber auch Hotels und Bürogebäude sind dabei. Die Sanierung von denkmalgeschützten Objekten hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Aktuell beschäftigt uns die Sanierung des alten Telegrafenamts an der Oranienburger Straße. Für den historischen Riehmers Hofgarten in Kreuzberg entsteht ein Sanierungskonzept. Vor Kurzem wurde der Umbau des ehemaligen Hotels „Bogota“ in der Schlüterstraße fertiggestellt.

Sie arbeiten international. An welchen Standorten sind Sie vertreten?

Wir haben Projekte in Spanien, Brasilien, Ägypten und der Türkei realisiert. Ein besonderer Schwerpunkt ist Indien, wo wir vor zehn Jahren eine Dependance in Goa gegründet haben. Wir sind in Frankfurt und München tätig, aber unser Heimatmarkt ist eindeutig Berlin.
Die Gründer Jürgen und Rüdiger Patzschke stehen für eine klassischtraditionelle Architektursprache. Was ist damit gemeint?

Wir verstehen darunter eine Architektur, die an Traditionen – oft mit regionalen Ausprägungen – anknüpft und diese fortschreibt. Man sollte bedenken, dass die Architektursprache in Europa eng mit den Formen der Antike verbunden ist. Wir versuchen allerdings nicht den simplen Rückgriff, sondern eine geeignete Fortführung. Experten und auch interessierte Laien erkennen trotz gleicher Elemente die Unterschiede.

Mit Tatjana Patzschke, Till-Jonathan Patzschke, den Partnern Michael Mohn, Christoph Schwebel und Ihnen leitet nun eine jüngere Generation das Büro. Ändert sich damit auch der architektonische Ansatz?

Wir haben sicher persönlich unterschiedliche Vorlieben, aber uns allen geht es um hochwertige Architektur, die dem jeweiligen Ort gerecht wird. Dafür gibt es keinen fixen Status Quo, sondern die Entwicklung des Architekten läuft eigentlich ein Leben lang. Ich wurde stark in meiner kreativen Familie geprägt. Der Rückhalt der Familie hat meinen Weg und mein Schaffen gestärkt.

Aktuell befindet sich das Projekt Kaiserdamm 116 in Charlottenburg in der Realisierung. Was zeichnet den Entwurf für dieses Ensemble aus?

Aus der städtebaulichen Perspektive galt es, eine Lücke zu schließen und damit einen Kriegsschaden zu beseitigen. Architektonisch gliedert sich der Bau dezent ein, ohne eine Kopie zu sein. Zudem genießen Eckgebäude seit jeher eine Sonderstellung im Stadtbild. Auch in der Mommsenstraße 15 bedienen Sie sich einer klassischen Formensprache. Was ist der Grund?

Unser Entwurf ist intuitiv durch das Umfeld inspiriert, wir haben Elemente aus dem Umfeld aufgenommen und integriert. Unsere Architektur soll sich vom Neuheitenzwang abheben. Häuser sollten nicht modisch sein – man kann sie schließlich nicht nach einer Saison entsorgen.

Das Äußere dieser Projekte setzt auf Tradition, Wertigkeit und Eleganz. Wie sehen die inneren Werte aus?

Bei uns werden die Gebäude von innen heraus gemäß der gewünschten Funktion entwickelt. Entgegengesetzt zu eintönigen Rasterfassaden, die kein Bild vom Raumgefüge geben, wird durch unsere Fassade die Raumstruktur von außen ablesbar. Dies gelingt natürlich nur, wenn innen und außen sorgfältig aufeinander abgestimmt sind. 

Das Interview führte Jörg Zimmermann.

 

Patzschke ArchitekturPatzschke ArchitektenMit dezenter Selbstverständlichkeit integrieren sich die Entwürfe von Patzschke Architekten ins Berliner Stadtbild. An der Mommsenstraße 15 schließt das siebengeschossige Eck- gebäude mit den 36 Wohnungen eine Kriegslücke, auf der sich zuvor eine Tankstelle der Berliner Radsport legende Otto Ziege befand 4 Rund 1.700 Quadratmeter mit 82 Wohnungen bietet der Eckneubau am Kaiserdamm 116/Witzlebenstraße 1. Das neue Gebäude wird in drei Abschnitte gegliedert, die sich in Farbgebung und Formensprache leicht unterscheiden, um die Baumasse wohltuend in den städtebaulichen Kontext einzufügen. In beiden Projekten sind die Entrees als identifikationsstiftende Elemente angelegt. Mehr Informationen finden Sie unter www.patzschke-architektur.de.

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