Steuervergünstigungen für Portugal

Steuervergünstigungen für Residentes não habituais

Wenn jetzt im Folgenden von Steuervergünstigungen oder sogar Steuerbefreiungen gesprochen wird, gilt dies nur für, aus steuerlicher Sicht, <unbeschränkt steuerpflichtige> (Residente). Hierzu zählen all diejenigen, die mehr als 183 Tage in Portugal sich aufhalten oder zum 31.12 einen permanenten Wohnsitz in Portugal haben. Dies ist die Grundvoraussetzung aller Steuervergünstigungen für <Residentes não habituais>.

Bei den <Residenten> (= unbeschränkt steuerpflichtig) wird jetzt noch zusätzlich unterschieden zwischen
a) <Residente normal> oder
b) <Residente não habitual>

Der <Residente normal> unterliegt den allgemeinen Vorschriften des portugiesischen Einkommensteuerrechts und hat keinerlei Vergünstigung. Alle Einkünfte, auch die deutsche Rente oder Pension, unterliegen der normalen Einkommensteuer hier in Portugal. Und diese Besteuerung ist – im Gegensatz zu Deutschland - heftig, insbesondere ab dem Jahre 2013. Der <Residente não habitual> kann einen Sondersteuersatz (für bestimmte Einkünfte, bezogen aus Portugal) und/oder Steuerbefreiung (für bestimmte Einkünfte, bezogen aus dem Ausland) beantragen. Hierzu ist aber unabdingbare Voraussetzung die Registrierung bei der Finanzverwaltung als <Residente não Habitual>.

Sonderstatus <Residente não habitual>

Die Registrierung bei der Finanzverwaltung als <Residente não habitual> ist nur möglich, wenn

a) der Steuerpflichtige in Portugal unbeschränkt steuerpflichtig ist (steuerlicher Status = Resident),

b) vor dem Zeitpunkt der Antragstellung auf Registrierung als <Residente não habitual> darf der Steuerpflichtige in den letzten 5 Jahren nicht registriert gewesen sein bei der Finanzverwaltung als <Resident>,

c) ein Antrag gestellt wurde auf Registrierung als <Residente não habitual>, entweder direkt bei der Erstanmeldung oder bis zum 31.3. des Folgejahres.

Beispiel: Familie Mustermann lebt ab dem 1.3.2013 permanent in Lagos im eigenen Einfamilienhaus. Sie gehen zum Finanzamt und beantragen eine Steuernummer. Da noch kein Nachweis über die <Residencia> in Portugal vorliegt (fehlende Anmeldung bei der Gemeindeverwaltung – Freguesia), erfolgt Einschreibung als <Non Resident>. Mit der Steuernummer geht die Familie Mustermann zur Freguesia und meldet sich dort an. Eine vorherige Anmeldung ohne Steuernummer geht nicht, denn –wie wir alle wissen- ohne Steuernummer läuft gar nichts. Nun geht man wieder mit dieser Anmeldung der Freguesia zum Finanzamt und beantragt Einschreibung als <Residente não habitual>. Erfolgt die Registrierung nur als <Resident> (z.B. aus Unwissenheit), hat man die Möglichkeit, dies bis zum 31.3. des Folgejahres noch zu ändern. Nach dem 31.3. des Folgejahres wird keine Änderung der Registrierung zum <Residenten não habitual> mehr vorgenommen(die Steuervergünstigung ist verloren).

Alt-Residente

Und jetzt kommt der große <Frust> der <Alt-Residenten>. Eine Registrierung als <Residente não habitual>, unabdingbare Voraussetzung für die u.a. Steuervergünstigungen oder Steuerbefreiungen, ist nicht möglich, da bereits eine Registrierung als <Resident> besteht (5-Jahres-Frist). Die (brutale) Konsequenz: keine Steuervergünstigung, keine Steuerbefreiung. Bedenkt man, dass bei einer Jahresrente von 25.000,- € im Jahre 2013 ca. 5.500,- € an Steuern zu zahlen sind, <packen viele Rentner ihre Koffer>und ziehen sich zurück nach Deutschland. Der Fiskus wollte Ausländern einen Anreiz geben, nach Portugal zu ziehen. Dies bringt Geld und Know How in dieses Land. Die ist verständlich und gibt es auch in diversen anderen Ländern. Was man sich aber dabei gedacht hat, die Alt-Residenten so zu benachteiligen, kann ich leider nicht nachvollziehen.

Noch ein Problem für die Alt-Residenten. Liegen aus Deutschland Einkünfte vor, die gem. Doppelbesteuerungsabkommen in Deutschland zu versteuern sind (z.B. Mieteinkünfte), müssen diese Einkünfte in der Steuererklärung als beschränkt steuerpflichtig in Deutschland deklariert werden und darüber hinaus nochmals in Portugal. Zur Vermeidung der Doppelbesteuerung wird die in Deutschland gezahlte Einkommensteuer in Portugal angerechnet. Die Besteuerung in Portugal ist aber weitaus ungünstiger wegen der unterschiedlichen Steuersätze; darüber hinaus werden bestimmte Ausgaben nicht anerkannt Verweisen möchte ich auf mein u.a. Beispiel.

Einkünfte eines <Residenten não habitual> (begünstigter Steuersatz)

Inländische Einkünfte aus Portugal unterliegen generell der normalen Besteuerung, auch bei einem <Resindente nãu habitual>. Begünstigt versteuert werden nur Einkünfte aus nichtselbständiger und selbständiger Tätigkeit, wenn die Art der Tätigkeit als eine <Tätigkeit von hoher Wertschöpfung mit wissenschaftlichem, künstlerischem und technischem Charakter> anzusehen ist. Dies ergibt sich aus Art. 72 Absatz 6 des CIRS. Einzelheiten ergeben sich aus dem Erlass vom 7.Januar 2010, Portaria n.º 12/2010. Als Beispiele möchte ich hier anführen die Tätigkeit der Führungskräfte von Unternehmen (nichtselbständige Tätigkeit) sowie z.B. die selbständige Tätigkeit der Architekten, Ingenieure, Ärzte, etc. Hier beträgt der Steuersatz 20% linear

Fazit: Die Einkünfte als Arbeitnehmer (keine Führungskräfte), aus Gewerbebetrieb, selbständiger Tätigkeit ohne <hoher Wertschöpfung>, aus Vermietung, etc. werden normal besteuert. Die begünstigte Besteuerung erfolgt nur für die o.a. Berufsgruppen.

Einkünfte eines <Residenten não habitual> aus Deutschland (steuerfrei)

Einkünfte, die aus dem Ausland bezogen werden, sind unter den u.a. Voraussetzungen steuerfrei. Sie müssen zwar in der Steuererklärung mit angegeben werden (Anexo L - wegen Progressionsvorbehalt), unterliegen aber nicht der Besteuerung.

a) Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit (Cat. A) sind steuerfrei, wenn diese Einkünfte im Ausland bereits besteuert wurden. Erfolgte im Ausland keine Besteuerung, sind diese Einkünfte steuerpflichtig in Portugal.

Beispiel 1: Ein Arbeitnehmer wird ab dem 1.4.2013 von seiner deutschen Firma nach Portugal entsendet. Es wird in Portugal Registrierung als <Residente não habitual> beantragt. Gemäß dem Doppelbesteuerungsabkommen Portugal/Deutschland ist das Gehalt der ersten sechs Monate in Deutschland zu versteuern, erst ab dem siebten Monat in Portugal. Bei der Einkommensteuererklärung für das Jahr 2013 ist der Arbeitslohn der ersten sechs Monate als steuerfrei (Anexo L) zu deklarieren, da die Besteuerung bereits in Deutschland erfolgte.

b) Einkünfte aus einer selbständigen Tätigkeit (Cat. B, i.d.R. Freiberufler) von hoher Wertschöpfung mit wissenschaftlichem, künstlerischem und technischem Charakter>, Einkünfte aus geistigem und gewerblichem Eigentum sowie Einkünfte aus Informationen über Erfahrung im industriellen Bereich sind steuerfrei, wenn diese Einkünfte im Ausland besteuert werden können. Nach dem Doppelbesteuerungsabkommen Portugal/Deutschland wird eine Besteuerung im Ausland vorgenommen, wenn der Freiberufler im Ausland eine selbständige Betriebsstätte hat. Erfolgte im Ausland keine Besteuerung, sind diese Einkünfte steuerpflichtig in Portugal (jedoch mit begünstigtem Steuersatz von 20%, wie oben bereits dargelegt). Hinsichtlich der begünstigten Tätigkeiten verweise ich auf Portaria Nr.12/2010 .

Beispiel 2: Ein Architekt, registriert als <Residente não habitual> lebt in Portugal, hat aber in D noch ein Architekturbüro mit mehreren Angestellten. Dieses Architekturbüro wird als eigenständige Betriebsstätte in D angesehen, der Gewinn ist in D zu versteuern. Diese Einkünfte bleiben für <Residente não habitual> in Portugal steuerfrei.

Beispiel 3: Ein Schriftsteller, registriert als <Residente não habitual> lebt in Portugal und bezieht von einem deutschen Verleger Honorare. Die Honorare werden in Deutschland gem. Doppelbesteuerungsabkommen nicht besteuert. Die Besteuerung erfolgt in Portugal, jedoch mit dem Sondersteuersatz von 20%.

c) Einkünfte aus Kapitalvermögen (Cat. E) und Vermietung (Cat. F) sind steuerfrei, wenn diese Einkünfte im Ausland besteuert werden können. Nach dem Doppelbesteuerungsabkommen Portugal/Deutschland werden Einkünfte aus Kapitalvermögen in Portugal, Einkünfte aus Vermietung in Deutschland besteuert. Somit sind Zinseinkünfte in Portugal zu versteuern (normaler Steuersatz), die Einkünfte aus Vermietung sind steuerfrei.

d) Renten-/Pensionseinkünfte sind steuerfrei, wenn sie gem. Doppelbesteuerungsabkommen im Ausland besteuert werden oder (!!!) wenn sie nicht als <aus Portugal bezogen angesehen werden>. Dies bedeutet <de facto>, dass Renten und Pensionen in Portugal steuerfrei sind. Die Renten werden zwar nicht im Ausland (= Deutschland) besteuert, wären somit in Portugal steuerpflichtig. Da die deutschen Renten und Pensionen aber nicht <als aus Portugal bezogen> anzusehen sind, erfolgt die Befreiung nach der <Oder-Regelung> „nicht als aus Portugal bezogen anzusehen“.

Beispiel 4: Ein Rentner, registriert als <Residente não habitual> lebt in Portugal und bezieht aus Deutschland eine Rente von 15.000,- € im Jahr Die Rente wird gutgeschrieben auf ein deutsches Bankkonto. Die Rente ist in Deutschland gem. Doppelbesteuerungsabkommen nicht zu versteuern. Da es sich in Portugal um eine ausländische Rente handelt, bleibt sie hier steuerfrei.

Jetzt <das Haar in der Suppe>: das Finanzamt Neubrandenburg, zentral zuständig für alle Auslandsrentner, bittet um Nachweis der Besteuerung der Renten/Pensionen im Ausland. Dies führt dazu. dass die Renten/Pensionen dann in Deutschland zu versteuern sind. Dies ist aber immer noch erheblich günstiger als eine Besteuerung in Portugal.
Weitere Einzelheiten entnehmen Sie bitte der Webseite der Steuerberatungsgesellschaft Global Vista – Consultadoria Fiscal, Lda.

Autor:
Dipl. Finanzwirt Heinz Dieter Hünermund, Steuerberater
Der in NRW aufgewachsene Steuerberater ist seit 1982 in Portugal tätig. Er ist Mitglied der Steuerberaterkammer Köln, der Steuerberaterkammer in Portugal (Ordem dos Técnicos Oficiais de Contas, Lissabon), und der APECA - Associação Portuguesa das Empresas de Contabilidade, Auditoria e Administração.
Zu seinen Klienten zählen Einzelunternehmen, Freiberufler und Kapitalgesellschaften (Klein-, Mittel- und Großbetriebe) an der Algarve und im Großraum Lissabon.

 

Bei weiteren Informationen wenden Sie sich bitte an: quintadolago@engelvoelkers.com

 

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