Eine geheimnisvolle Straße…

Die „Kortrijksepoortstraat“ ist nicht unbedingt die auffälligste oder hübscheste Straße, die Gent zu bieten hat. Schlimmer noch: vielleicht kann die Straße sogar zu Recht als ein grauer, etwas verloren wirkender Ort auf der Hauptachse zwischen „Sint-Pietersstation“ und dem Stadtzentrum bezeichnet werden. Die Straße besitzt keine überlokalen Anziehungspunkte, jedoch ist man dort zweifelsohne schon einmal vorbeigekommen: unterwegs mit der Tramlinie 1 ins Stadtzentrum oder mit dem Auto zur Tiefgarage unter dem „Kouter“. Und doch birgt diese unauffällige Straße ein Geheimnis.

 

Man würde es nicht sofort vermuten, wenn man durch die graue, leicht chaotisch wirkende Straße geht, jedoch verbirgt sich hinter der westlichen Fassadenfront der „Kortrijksepoortstraat“ eine der allerschönsten Ecken, die Gent zu bieten hat. Hinter den Häusern, ein paar Meter tiefer als die Straße, bahnt sich hier die Leie ihren Weg ins Stadtzentrum, parallel zur Straße, und berührt dabei die unerwartet grünen, großen Gärten, die sich hinter den Herrenhäusern der „Kortrijksepoortstraat“ erstrecken. Hier und dort erhält man diese Aussicht über die Treppengassen, die von der Straße abzweigen, doch die kennt niemand – eine Ausnahme für den prachtvoll angelegten Stadtgarten „Veergrep“ außer Acht gelassen.

 

Die beste Aussicht auf den Schatz der „Kortrijksepoortstraat“ hat man vom „Bijlokekaai“. Auf dieser Seite des Wassers liegt auch die „Bijlokesite”, ein Gelände, auf dem schon im Mittelalter ein Krankenhaus stand, dessen Gebäude jedoch schon seit einigen Jahren von Stadtmuseum, der Königlichen Kunstakademie und dem Musikzentrum „De Bijloke“ eingenommen werden, neben kleineren Nutzern wie das Musiktheater LOD, die Tanzgruppe „Les Ballets C de la B“ und das „Operastudio Vlaanderen“. An manchen milden Sommerabenden, wenn die Brise aus westlicher Richtung weht, wehen vereinzelte Fetzen der Gesangsübungen hoffnungsvoller Operntalente über die Gärten und Terrassen der „Kortrijksepoortstraat“.

 

Durch das Gefälle der Landschaft blickt man von den meisten Häusern auf der „Kortrijksepoortstraat“ über die Dächer und Spitzen des neogotischen „Bijloke-Komplex“ hinweg. Zusammen mit dem benachbarten, größeren „Rommelaere-Komplex“ und einer Reihe riesiger Platanen am Ufer ist es jeden Abend aufs Neue faszinierend, von den Gärten und Terrassen der Kortrijksepoortstraat aus den Sonnenuntergang zu beobachten. Und das Beste daran ist: es ist für die Bewohner. Exklusiv!

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