Interview mit Freiherr von Schenck

Interview mit Freiherr von Schenck Wieviele Schlösser und historisches Immobilien werden pro Jahr in Deutschland verkauft?

Im Schnitt finden pro Jahr 20 bis 30 Transaktionen mit Schlössern und historischen Anwesen in Deutschland statt. Engel & Völkers vermittelt durchschnittlich fünf Schlösser im Jahr, mal mehr, mal weniger.

Wo liegen die Vorteile beim Kauf eines Schlosses im Vergleich zu „gewöhnlichen“ Wohnimmobilien?

Beim Kauf von historischen Gebäuden, insbesondere mit Renovierungsbedarf, gibt es steuerliche Vorteile, die Anschreibungsmöglichkeit über die sog. Denkmal-Afa. So kann der Käufer einen großen Teil der Investition steuerlich abschreiben. Der Markt für historische Anwesen erfährt derzeit eine große Nachfrage, nicht zuletzt als sichere Anlage, sog. Betongold.

Wie werden Schlösser genutzt?

Für private Käufer sind es in erster Linie Liebhaberobjekte. Ganz andere Beweggründe haben Investoren und Projektentwickler. Sie suchen historische Immobilien für eine wirtschaftliche Nutzung als Restaurant, Hotel, Tagungs- und Seminarzentrum, für Ferienwohnungen oder als Eventfläche. Weil hochwertige Mietshäuser in den Ballungszentren erkennbar knapp werden, investieren Kapitalanleger zunehmend auch in Schlösser, um sie in Wohneinheiten umzuwandeln.

Wer sind die Käufer?

Käufer kommen aus Deutschland ebenso wie aus dem Ausland. Es gibt Mittelständler, die sich ein Objekt kaufen, um es neu zu beleben ebenso wie internationale Käufer, die bereits mehrere Objekte besitzen. Wir verzeichnen Kaufinteressenten aus den ehemaligen GUS-Staaten wie Russland oder aus dem arabischen Raum, Amerikaner, Engländer oder auch Chinesen. Die Mehrzahl bilden deutsche Interessenten. Sehr gefragt sind neben Schlössern vor allem Guts- und Herrenhäuser, Landsitze oder Burgen, gelegentlich sogar alte Klöster. Das Interesse bezieht sich überwiegend auf Objekte in Deutschland, Österreich, Italien, Belgien, Spanien, Frankreich und in der Schweiz.

Welches sind die Kaufmotive?

Die Kaufmotive sind wie die Interessenten sehr unterschiedlich. Häufig sind es Privatpersonen mit einem Unternehmerhintergrund, die sich mit einer solchen Immobilie einen Traum erfüllen. Bei ihnen ist der Kauf sehr stark an Emotionen gebunden. Oft steckt ein ausgeprägtes Traditionsbewusstsein dahinter, der Wunsch mit dem Schloss oder der Burg ein Stück Geschichte zu erwerben und den Mythos des Schlossherren zu leben. Das Anwesen soll häufig auch als Familiensitz für nachfolgende Generationen dienen, also eine nachhaltige Kapitalanlage sein. Einige Prominente nutzen es als Altersruhesitz.

Wieviel kostet ein Schloss im Schnitt? 

Die Kaufpreise für Schlösser in sehr gutem Zustand liegen etwa zwischen sechs und 20 Mio. Euro. Sanierungsbedürftige Immobilien wechseln ihren Eigentümer häufig auch deutlich darunter. Oftmals kostet ein historisches Anwesen gar nicht so viel, wie man denkt. Mitunter kann man ein durchaus geschichtsträchtiges Herrenhaus sogar günstiger erwerben als eine Eigentumswohnung in einer Großstadt. Allerdings sind in solchen Fällen die Instandsetzung und die Folgekosten natürlich ungleich höher.


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