Panoramablick auf Florenz: der Dom mit seiner roten Kuppel und der Turm des Palazzo Vecchio inmitten von Ziegeldächern und Hügeln im Hintergrund.
Cool City

Florierendes Florenz

  • Ausgabe

    04/25

  • Ort

    Florenz, Italien

  • Fotografie

    Mark Boss / Unsplash

Seit Jahrhunderten prägen einflussreiche Familien das kulturelle Erbe der toskanischen Hauptstadt und halten es lebendig. Ein Blick auf Handwerkskunst und Tradition vor einzigartiger Kulisse.

Kaum eine europäische Stadt verkörpert familiäres Vermächtnis so selbstverständlich wie Florenz. Zwischen Renaissance-Palästen, ikonischer Architektur und weltberühmten Museen erzählt die italienische Metropole vom unermüdlichen Wirken florentinischer Familien – wirtschaftlich, politisch und künstlerisch. Reichtum erlangte sie durch die Woll- und Tuchverarbeitung, die Goldschmiedekunst, hochwertige Lederprodukte und den Aufstieg als Finanzzentrum. Bis heute lebt hier jener Geist fort, der einst eine ganze Epoche prägte

Eine kunstvolle gotische Kathedralfassade aus grünem, weißem und rosafarbenem Marmor mit einer großen Rosette und skulpturierten Bögen vor blauem Himmel.
Die Kathedrale von Florenz mit ihrer streng symmetrischen Fassade gilt als eines der bedeutendsten Bauwerke der italienischen Renaissance
Ein goldener Sonnenuntergang über einer Stadt mit Bogenbrücken über einem ruhigen Fluss, farbenfrohen Gebäuden am Flussufer und einem Turm im Vordergrund.
Der Ponte Vecchio, der den Arno überspannt, ist die bekannteste Brücke von Florenz. Seit Jahrhunderten beherbergt er Juweliergeschäfte und bietet eine wunderschöne Mischung aus meisterhafter Handwerkskunst und lebhafter Marktatmosphäre. Foto: Mark Boss / Unsplash

Medici: Das Herz von Florenz

Kein Name ist so eng mit Florenz verbunden wie der der Medici – jener mächtigen Dynastie, die sich im 15. Jahrhundert durch ihr Bankenimperium zum politisch-kulturellen Machtzentrum Europas entwickelte. Der Palazzo Medici Riccardi, der erste Stadtpalast der Familie, zeugt noch heute von ihrem Sinn für Einfluss und Ästhetik. In der nahe gelegenen Basilika San Lorenzo, flankiert von den Medici-Kapellen und Michelangelos sakraler Pracht, begegnet man den Medici gleich mehrfach – in Marmor verewigt, als Sponsoren der Kunst und als Baumeister der Stadtgeschichte. In den Uffizien, einst Verwaltungsgebäude der Medici, hängen Kunstschätze von Botticelli, Raffael und Da Vinci – Beispiele für die Markenpflege einer Familie, die ihr kulturelles Erbe zur Staatskunst erhob.

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Familiengeschichten – Vom Bankhaus zur Modemarke

Daneben prägten auch andere Familien wie die Strozzi und die Rucellai die Stadt. Der Palazzo Strozzi, heute ein Zentrum für zeitgenössische Ausstellungen, zeugt vom Wettstreit mit den Medici sowie vom goldenen Zeitalter des Bankwesens. Auf der Ponte Vecchio, einst Marktstraße der Goldschmiede und beliebtes Postkartenmotiv, sind bis heute Familienbetriebe zu Hause, die ihre Kunst seit Generationen weitergeben.

Auch stilprägende Namen der Modewelt haben in Florenz ihre Wurzeln: 1921 gründete Guccio Gucci seine Ledermanufaktur, 1927 folgte Salvatore Ferragamo mit seinem Schuhatelier (siehe Coverstory). Beide Unternehmen sind bei aller Internationalität tief mit ihrer Heimat verbunden – durch Museen, Flagship-Stores und ihre unverkennbare Handschrift.

Farbenprächtige Fresken aus der Renaissance bedecken die Kuppeldecke, auf der Engel und Heilige um ein zentrales achteckiges Oberlicht herum dargestellt sind, durch das der blaue Himmel zu sehen ist.
Das Fresko in der weltberühmten Domkuppel von Brunelleschi zeigt Szenen des Jüngsten Gerichts.

Wo Tradition auf Lebensfreude trifft

So geschichtsträchtig Florenz auch ist, die Stadt verliert sich nicht in Ehrfurcht, sie leuchtet und pulsiert. Der Tag startet mit einem Espresso, traditionell im Stehen an der Caffè Bar, und setzt sich später fort mit einem Chianti aus dem nahegelegenen Anbaugebiet oder einem Gelato. Bei einem bittersüßen Negroni, rot leuchtend wie die untergehende Sonne am Piazzale Michelangelo, spürt man sie – die Nähe zwischen gestern und heute, zwischen handwerklichem Stolz und unternehmerischem Weitblick. Florenz bleibt ein Denkmal für den Mut großer Familien und der Kunst, Tradition und Wandel in Einklang zu bringen.

Eine lächelnde junge Frau mit kurzen blonden Haaren und Creolen, die im Freien vor einem Steingebäude mit kunstvollen architektonischen Details steht.

Merle Wilkening

Als Senior Redakteurin beim GG Magazine schreibt Merle Wilkening über Menschen, Orte und Ideen, die unsere Welt bewegen. Am liebsten führt sie Interviews mit Persönlichkeiten, die mit echter Begeisterung von ihrer Leidenschaft erzählen. Ihre Neugier führt sie immer wieder auf Reisen – der Sonne entgegen, auf der Suche nach besonderen Begegnungen und den Geschichten hinter den schönsten Orten der Welt. Kulinarischen Entdeckungen folgt sie vom Lieblingslokal um die Ecke bis zum nächsten Stern.

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