Der Poolbereich eines Resorts im Licht des Sonnenuntergangs, mit Liegestühlen aus Korbgeflecht, weißen Kissen, geschlossenen Sonnenschirmen und hohen Bäumen, die sich im ruhigen Wasser spiegeln, sowie Hügeln in der Ferne.
Lily of the Valley Resort

Wellness à la française

  • Ausgabe

    04/25

  • Ort

    Côte d'Azur, Frankreich

  • Fotografie

    November Studio

Versteckt zwischen Pinienhainen und Felsenküste liegt ein Rückzugsort für Körper und Seele. Ein Besuch im Lily of the Valley Resort oder wie ein Vater-Tochter-Team Wohlbefinden neu definiert.

Das Geschrei von kreischenden Möwen durchbricht die morgendliche Stille. Ich schiebe die Fenstertüren meiner kuscheligen Suite zum Vorgarten auf und trete auf das noch nasse Gras. Gestern Abend bin ich im strömenden Regen hier angereist und wurde an der Rezeption des Wellnesshotels herzlich in Empfang genommen. Draußen war es bereits dunkel, ein gemütliches Feuer knisterte im Kachelofen. Da die Küche bereits geschlossen war, wurde mir eine feine Brokkoli-Suppe aufs Zimmer gebracht – raffiniert garniert mit Haselnüssen und Roter Bete. Jetzt bin ich neugierig auf meine neue Umgebung.

Unter einem blankgeputzten, blauen Himmel liegt mir die französische Mittelmeerküste zu Füßen. Wie ein schlafendes Krokodil erstreckt sich die Côte d'Azur vor meinen Augen. Ich schaue auf die dichten Pinienwälder, die sich wie grüne Wellen an der Küste entlangziehen – alles Naturschutzgebiet. Dass das quirlige Saint-Tropez nur knapp 30 Autominuten entfernt liegt, ist hier nicht zu spüren.

Es ist kurz vor sieben Uhr morgens, langsam erwacht der Tag im Lily of the Valley, einer der schicksten Adressen für alle, die Körper und Seele etwas Gutes tun möchte.

Eine Bar im Freien mit über einer Holztheke hängenden Weingläsern, gemütlichen Pendelleuchten, Korbhockern und Bergen in der Ferne.
Eine lächelnde Frau in einem magentafarbenen Kleid steht neben einem sitzenden Mann im Anzug in einem Straßencafé; auf dem Tisch liegen Oliven und gestreifte Kissen.
Ein Koch streut Garnitur über ein auf einem weißen Teller angerichtetes Gericht aus in Julienne-Streifen geschnittenem Gemüse mit Kräutern.
Ein Ort, an dem man Gesundheit tankt, ohne auf Luxus und Genuss zu verzichten.
Lucie Weill

Luxus, Gesundheit und Design an der Côte d’Azur

Das kleine, feine Boutiquehotel mit 53 Zimmern und Suiten, entworfen vom legendären französischen Designer Philippe Starck, entstand aus der innovativen Idee eines Vater-Tochter-Teams. „Wir wollten einen besonderen Ort schaffen, der sich organisch in die Natur einfügt. Einen Platz, an dem man das ganze Jahr über mit Genuss Gewicht verlieren kann, ohne auf die schönen Dinge des Lebens verzichten zu müssen. Abnehmen – aber auf französische Art!“, erklärt mir Lucie Weill. Sie und ihr Vater wählten den Standort des Hotels ganz bewusst: „Unsere Familie fährt schon seit Generationen an die Küste von La Croix Valmer. Als wir dieses Gebäude kauften, hatte ich ein paar Jahre bei LVMH in Paris gearbeitet. Mein Vater (Alain Weill, einer der bekanntesten französischen Medienmanager, Anm. d. Red.) hat schon immer gesagt: Das Hotelgeschäft ist dem Medienbusiness sehr ähnlich – beide müssen 24 Stunden am Tag aktiv sein. Nachdem er mit fünfzig Jahren zwölf Kilo abgenommen hatte und keines der gängigen Wellnesshotels ihm gefiel, begann unser gemeinsamer Traum von einem eigenen Gesundheitsresort.“ Das Hotel war noch nicht einmal eröffnet, da wurde es bereits Mitglied der exklusiven Vereinigung „Leading Hotels of the World“.

Natürlich stehen „Detox“ und „Sport“ auch auf meinem Plan. Die beiden weiteren Programme, die zur Wahl stehen, heißen „Better Aging“ und „Weight Loss“. Letzteres ist der Hauptgrund, warum so viele begeisterte Gäste aus ganz Europa – aber auch aus den USA – anreisen und immer wiederkommen.

Etwas später sitze ich im Halbschatten auf dem großzügigen Holzdeck am Pool. Neben mir studiert ein junges Pärchen die Frühstückskarte. Weiter entfernt sehe ich eine Dame mit kleinem Hund – Vierbeiner sind im Lily gerne gesehene Gäste. Auch ich schaue in die Speisekarte und entscheide mich für das Eiweiß-Omelette mit Bananen. „Eine großartige Wahl!“, lobt meine charmante Kellnerin, während  sie mir meinen Organic Breakfast Tea serviert. „Klingt ungewöhnlich, schmeckt aber sensationell.“ Zubereitet werden sämtliche Gerichte vom gefeierten Chefkoch Vincent Maillard. Mein Blick schweift von den gelb-weiß gestreiften Liegen zur Küste, die noch im zarten Morgennebel liegt, und zu den davor gelagerten Inseln. Links befindet sich eine Militärbasis, rechts davon eine FKK-Community, wie mir später mein Fitness-Coach Yoann erklärt, als wir uns auf einen Hike entlang der Küste des felsigen Caps machen. Rund zwei Stunden lang wandern und klettern wir über wild zerklüftete Pfade und entdecken Geheimstrände. Immer wieder schauen wir hinunter auf das tosende Mittelmeer, das um diese Jahreszeit mit angeschwemmten, funkelnden Mini-Tintenfischen die Strände bläulich färbt.

Helles Hotelzimmer mit weißem Bett, abstrakten Kissen, einer Glastrennwand, einer gewebten Kegellampe auf der linken Seite und Regalen mit Dekoartikeln im Hintergrund.
Blick in eine der Hotelsuiten. Für die Inneneinrichtung gewann die Familie Weill den französischen Designstar Philippe Starck, der darauf achtete, dass sich die Gäste hier das ganze Jahr über wohlfühlen.

Eisbad, Pilates und Glow: Wellness neu erleben im Boutiquehotel

Nach 13.000 Schritten komme ich ins Schwitzen. „Jetzt aber fix in die Kältekammer!“, sagt Yoann bestimmt. Ich ziehe meinen Badeanzug an und bekomme Socken, Schlappen, Handschuhe und ein Stirnband mit integriertem Kopfhörern. Vier Minuten soll ich im Eisbad bei minus 100 Grad Kälte aushalten. Als musikalische Ablenkung wähle ich Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ und hoffe, dass die klassischen Melodien meine Ungeduld zähmen. Anhand der wechselnden Farben in der Tür kann ich die Zeit ablesen – vier Minuten können endlos sein! Schließlich ist es geschafft. Als ich aus der eisigen Kabine steige und die Tür öffne, rieseln ein paar Schneeflocken auf mich herab. Meine Beine sind taub, aber ich fühle mich elektrisiert und voller Kraft.

Herz des Hotels ist das 2.000 Quadratmeter große Spa mit Fitness-Studio – der sogenannte Shape Club –, direkt am 25 Meter langen, halb-olympischen Pool, der auf 20 Grad erwärmt ist. Drumherum kann man sich aussuchen, wie man trainieren möchte, um die Fitness zu stärken: TRX-Bänder, Yoga, Stretching oder ganz neu auf vier Pilates-Reformern.

Nach einer entspannten Nacht darf ich am nächsten Vormittag eine besondere Hydra-Facial-Behandlung der exklusiven Hausmarke „Biologique Recherche“ testen. Eine detaillierte Hautanalyse hilft bei der Produktauswahl. Danach  soll ich noch zwanzig Minuten unter LED-Licht verbringen. Davon bekomme ich einen so schönen Glow, dass ich mir zurück in meinem Zimmer direkt eine LED-Maske online bestelle.

Reihen von gestreiften Liegestühlen und Sonnenschirmen entlang eines Pools in einem Badeort, eingerahmt von großen Bäumen mit Lichterketten, mit Blick auf das ruhige Meer.
Eine Villa am Hang mit Efeu bewachsenen Bögen und einer verglaste Terrasse, umgeben von einem üppigen mediterranen Garten und in der Ferne liegenden Häusern am Hang.
Eine kleine Gruppe von Wanderern geht auf einem felsigen Küstenweg mit Holzpfosten entlang, von dem aus man einen Blick auf das Meer hat.
Unser Konzept ist ganz einfach: Abnehmen auf die französische Art!
Lucie Weill

Privatvillen und Strandgenuss: Lily of the Valley expandiert mit neuem Luxuskonzept

Für Gäste, die es besonders privat mögen, haben die Weills auf dem Hotelgrundstück zusätzlich eine provenzalische Villa mit dem Namen „W“ herrichten lassen – mit drei Schlafzimmern, einem bunten Pool im Mondrian-Design und einer 50er-Jahre-Retro-Einrichtung von Philippe Starck. Im Mai sind zwei weitere Privatvillen hinzugekommen, die jeweils zehn Gästen Platz bieten. Da das luxuriöse, aber lässige Wellness-Konzept so gut ankommt, wird sechs Jahre nach der Eröffnung des Lily of the Valley nun am nächsten Projekt gebaut, wie mir Lucie Weill verrät: „In Courchevel entsteht gerade unser nächstes Hotel. Das höchstgelegene im Ort. Wir möchten dort ebenfalls das ganze Jahr über Gäste begrüßen.“

Kurz bevor ich abreise, mache ich noch einen Abstecher an den Strand, in den zum Hotel gehörenden Beach Club. Im Brigantine Restaurant kann man – wie oben im Vista – auch als Nicht-Hotelgast speisen. Ich setze mich an einen Tisch direkt am Meer, bestelle Mezzi paccheri alla Pescatora und ein Glas Rosé. Da die Karte italienisches Essen vom Feinsten verspricht, pfeife ich auf mein bisheriges Programm und genieße, wofür das Lily of the Valley steht: l‘art de vivre!

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Nahaufnahme einer blonden Frau mit blaugrünen Augen, die ein dunkles Shirt trägt und vor einem dunklen Hintergrund sanft lächelt.

Michaela Cordes

Michaela Cordes war über zwei Jahrzehnte Chefredakteurin von GG und hat das Magazin in dieser Zeit maßgeblich geprägt. Als Autorin hat sie alle sieben Kontinente bereist und ist bis heute immer auf der Suche nach einzigartigen Orten und Hotels, faszinierenden Persönlichkeiten und ihren außergewöhnlichen Werdegängen.