Installationsansicht: Sechs kleine Häuser mit schrägen Dächern in Braun-, Beige- und Grautönen stehen auf einem grauen Sockel.
Maj van der LindenOnline exclusive

Kunstraum

  • Ausgabe

    04/26

  • Ort

    Berlin, Deutschland

Wo einst die wilde, freie Kunstszene Berlins in einer berühmten Bauruine pulsierte, erwacht das Areal Am Tacheles zu neuem Leben. Das renommierte Architekturbüro Herzog & de Meuron hat hier ein neues Stadtquartier erschaffen. Mittendrin: Die Kuratorin Maj van der Linden, die im Townhouse 068 eine neue Plattform für Collectible Design, Handwerk und bildende Kunst geschaffen hat.

Moderner Raum mit Holztisch und Stühlen, hängenden weißen Kugelleuchten, beigen Wänden mit orangefarbenen Kissen und großen Glastüren, die auf eine sonnige Terrasse führen.
Installation in der Galerie Maj van der Linden im Townhouse 068, Berlin. Foto: Chiara Lüghausen / Maj van der Linden

Maj van der Linden ist weit mehr als eine klassische Galeristin – sie ist Interiordesignerin, Kuratorin und Netzwerkerin zugleich. Ihre Leidenschaft für Design begann mit dem Aufspüren von Vintage-Möbeln und der Arbeit im Berliner Kunst- und Auktionsumfeld. Heute vereint sie in ihrer Arbeit Kunst, Kunsthandwerk, Design und Architektur. Mit ihrer Galerie hat sie eine Plattform geschaffen, die sich auf zeitgenössische Materialpraxis konzentriert – von Möbeln und Keramik bis hin zu Textilien und Leuchten.

Mit dem neuen Standort im Townhouse 068 (Johannisstraße 14, Berlin) erweitert Maj van der Linden seit diesem Sommer ihre Galerie am Weinbergspark um einen besonderen Ort für Collectible Design, Materialität und räumliche Konzepte. Während der Showroom im Erdgeschoss den Fokus auf handwerkliche Qualität und unabhängige Studios – viele davon aus Berlin – richtet, ist das Untergeschoss wechselnden Ausstellungen an den Schnittstellen von Kunst und Interieur gewidmet. 

Eine blonde Frau sitzt drinnen an einem runden Holztisch, den Kopf auf die Hand gestützt; sie trägt ein schwarzes, durchsichtiges Oberteil, im Hintergrund sind weiße Vorhänge zu sehen.
Kuratorin und Galeristin Maj van der Linden. Foto: Chiara Lüghausen
Ein minimalistisch eingerichteter Raum mit einer dunklen Steinbank und mehreren schwarzen Steinblöcken auf einem beigen Teppich; im Hintergrund sind helle Vorhänge zu sehen.
Blick auf Werke von Esther Kiner. Foto: Chiara Lüghausen

Die neue Ausstellung: „Narratives of Making“

Drei kuratierte Zyklen im Jahr stellen den lebendigen Dialog zwischen Objekt, Funktion und Atmosphäre in den Mittelpunkt. Pünktlich zur Berlin Art Week und im Rahmen des Currents Design Festivals im September eröffnet die Galerie das nächste Kapitel: Unter dem Titel „Narratives of Making – Contemporary Positions from Art and Collectible Design“ präsentiert Maj van der Linden eine kuratierte Gruppenschau. Die Ausstellung schafft Sichtbarkeit für Künstlerinnen, die in Disziplinen wie Textil, Holz, Metall, Keramik und Glas kreieren und mit ihren Werken persönliche Narrative sowie gesellschaftliche Fragen verarbeiten.

Zu den ausstellenden Künstlerinnen und Designerinnen gehören:

Claire de Santa Coloma, Clara Schweers, Dahm Lee, Emi Shimura, Hanna Fastrich, Julika Hartz, Karen Verlinden, Myriam Perrot, Saskia de Brauw, Studio Jumi, Tanja Neubert, Ursula Wagner und Zeynep Boyan.

Minimalistische Metallskulptur mit zwei hohen, dunklen Paneelen und einer runden Oberseite; in einer schlanken Vase am Sockel steht eine langstielige, violette Lauchblume.
Side Table Asymptote und Vase Pillar von Anoe Melliou.
Drei minimalistische Skulpturen auf weißen Sockeln vor einer grauen Wand: links schwarze, übereinander gestapelte Blöcke, in der Mitte eine geschwungene braune Form, rechts ein brauner Bogenblock.
Werke von Esther Kiner, Zeynep Boyan und Studio Cúze. Foto: Clemens Poloczek

Eingebettet in ein Stadtquartier mit Geschichte

Dass dieser Ort für zeitgenössische Kunst gewählt wurde, ist kein Zufall. Die Galerie im Townhouse 068 tritt in einen direkten Dialog mit der Architektur des neuen Stadtquartiers Am Tacheles, das vom renommierten Schweizer Büro Herzog & de Meuron entworfen wurde.

Das Areal blickt auf eine bewegte Geschichte zurück: Anfang des 20. Jahrhunderts als prachtvolle Friedrichstraßenpassage erbaut und im Zweiten Weltkrieg teilweise zerstört, stand die verbliebene Bauruine 1990 kurz vor der Sprengung. Eine engagierte Künstlerinitiative besetzte das Gebäude im selben Jahr, rettete es vor dem Abriss und etablierte das „Kunsthaus Tacheles“ als weltweites Symbol der Berliner Subkultur. Nach der Räumung 2012 blieb das Areal jahrelang als brachliegende Lücke mitten in Berlin-Mitte bestehen.

Herzog & de Meuron schlossen diese Lücke nicht durch eine bloße Rekonstruktion, sondern öffneten die Baukörper gezielt zur Stadt. Sie schufen eine innere Passage, Höfe und Plätze, die das Quartier für die Öffentlichkeit zugänglich machen.

Ein großer Steinbogen mit hohen Fenstern darüber umrahmt einen Durchgang zu einem modernen Innenhof; rechts davon steht ein blattloser Baum, während eine Person vorbeigeht.
Das Stadtquartier Am Tacheles, entwickelt von Herzog & de Meuron. Foto: Nino Tugushi
Modernes, beiges Wohnhaus mit abgerundeten Ecken und hervorstehenden Balkonen; im Hintergrund ein graues Nachbargebäude vor einem blassen Himmel.
Moderne Formen und historische Grundsubstanz finden eine neue harmonische Einheit. Foto: Nino Tugushi

Modernes Wohnen in Berlin

Ein zentrales Element dieser Neugestaltung ist das Wohnensemble Wohnen AM TACHELES. Es umfasst fünf architektonisch individuell konzipierte Wohngebäude – von stützenfreien Lofts bis hin zu großzügigen Stadtwohnungen, ergänzt durch Gastronomie-, Kultur- und Einzelhandelsflächen in den Erdgeschossen. Der städtebauliche Ansatz von Herzog & de Meuron zielt darauf ab, privaten Wohnraum und ein öffentlich zugängliches Quartiersleben miteinander zu verweben. 

Dass zeitgenössische Kunst und Design heute ein wichtiger Bestandteil dieses Umfelds sind, unterstreicht Amir Rothkegel von Wohnen AM TACHELES:

Nach dem Fall der Mauer war das ‚Kunsthaus Tacheles‘ viele Jahre ein Symbol für die freie, wilde Kunstszene, die Berlins Ruf geprägt hat. Für uns ist es eine Herzensangelegenheit, diese kreative DNA und Energie des Orts nicht nur zu erhalten, sondern sie mit außergewöhnlichen Kunst- und Kulturevents im Stadtquartier in die Zukunft zu tragen. Mit MAJ VAN DER LINDEN führen wir diese Tradition fort – mit einer Galerie, deren öffentlich zugängliche Räume zeitgenössisches Design und Handwerk im Quartier sichtbar und für alle erfahrbar machen.
Ein sonnendurchfluteter Platz zwischen einem beigen Backsteingebäude mit Bogenfenstern und einem modernen weißen Gebäude mit Glasbalkonen, gesäumt von Bäumen.
Blick in das Wohnensemble. Foto: Am Tacheles Residential Development

Besucherinformationen

  • Galerie: MAJ VAN DER LINDEN (Townhouse 068)

  • Adresse: Johannisstraße 14, 10117 Berlin-Mitte (AM TACHELES)

  • Ausstellungszeitraum: September bis Dezember 2026

  • Öffnungszeiten: Samstags von 14:00 bis 18:00 Uhr sowie nach Vereinbarung.

Eine lächelnde junge Frau mit kurzen blonden Haaren und Creolen, die im Freien vor einem Steingebäude mit kunstvollen architektonischen Details steht.

Merle Wilkening

Als Senior Redakteurin beim GG Magazine schreibt Merle Wilkening über Menschen, Orte und Ideen, die unsere Welt bewegen. Am liebsten führt sie Interviews mit Persönlichkeiten, die mit echter Begeisterung von ihrer Leidenschaft erzählen. Ihre Neugier führt sie immer wieder auf Reisen – der Sonne entgegen, auf der Suche nach besonderen Begegnungen und den Geschichten hinter den schönsten Orten der Welt. Kulinarischen Entdeckungen folgt sie vom Lieblingslokal um die Ecke bis zum nächsten Stern.

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