Ein gemütliches, elegantes Spielzimmer mit Billardtisch, beigen Sofas, einem Sideboard aus Holz mit Pflanzen darauf und Wandteppichen im sanften Licht der Fenster.
La Réserve FirenzeOnline exclusive

Firenze, ma privatissima!

  • Ausgabe

    GG Magazine 04/26

  • Ort

    Florenz/Italien

  • Fotografie

    Matthieu Salvaing

Im La Réserve Firenze öffnen Olivia und Grégory Marciano die Türen zu einem Florenz, das nur wenige kennen. Und laden ihre Gäste ein, die Stadt von einer ganz anderen Seite zu entdecken.

Es ist kurz vor acht Uhr morgens. Ich stehe auf der Dachterrasse und schaue über die terrakottafarbenen Dächer von Florenz. Mein Blick wandert über den Arno, als die Glocken der Kirche Santo Spirito zu läuten beginnen. Ich ziehe meinen flauschigen Frette-Bademantel etwas enger und nehme einen Schluck Cappuccino. Während die Stadt unter mir langsam erwacht, wird drinnen mein Frühstück vorbereitet. Ich könnte mich daran gewöhnen. Genau das ist die Idee von La Réserve Firenze.

Im historischen Oltrarno-Viertel, nur wenige Schritte vom Arno entfernt, haben Olivia und Grégory Marciano gemeinsam mit Michel Reybier, dem Gründer der exklusiven Hotelgruppe La Réserve, einen Renaissance-Palazzo in eine private Residenz auf Zeit verwandelt. Sechs großzügige Apartments verbinden die Unabhängigkeit einer eigenen Wohnung mit dem Service eines Luxushotels.

Sonnendurchflutete Dachterrasse mit gepolsterten Liegestühlen und Topfpflanzen, von der aus man einen Blick auf Terrakotta-Dächer und die fernen Hügel hat.
Von der Terrasse blickt man weit Richtung Arno und über die Altstadt von Florenz.

Man kann hier mit der Familie einziehen, Freunde zum Dinner einladen, morgens im Bademantel frühstücken und den Tag beginnen, wann immer man möchte. Und wenn man etwas braucht, ist jemand da, der sich darum kümmert. Ich darf dieses besondere Zuhause wenige Tage vor der offiziellen Eröffnung im Oktober kennenlernen. Und verstehe schon bald, dass die Marcianos ihren Gästen mit dem Wohnungsschlüssel noch etwas anderes überreichen: Zugang zu ihrem ganz persönlichen Florenz.

Die Via Santo Spirito gehört zu jenen Straßen, in denen man am liebsten etwas langsamer geht. Antiquitätenhändler, kleine Galerien, traditionelle Werkstätten und alteingesessene Trattorien prägen das Viertel auf der anderen Seite des Arno. Hier begegnet einem Florenz ganz nebenbei. Auf dem Weg zum Kaffee, beim Blick durch eine offene Werkstatttür oder beim Abendessen ein paar Häuser weiter. 

Eine sonnendurchflutete Ecke eines historischen Steingebäudes mit Bogenfenstern, rustizierten Eckblöcken und vergitterten Fenstern im unteren Bereich, gelegen an einer schmalen Kopfsteinpflasterstraße.
Von außen ist kaum zu erahnen, was sich hinter den Türen verbirgt.
Ein kunstvoll geschmiedetes Eisentor mit Schnörkelverzierungen und Wappen, das sich leicht zu einem sonnendurchfluteten, gefliesten Gang öffnet, der von Topfpflanzen und hängenden Laternen gesäumt ist
Olivia und Grégory Marciano öffnen ihren Gästen die Türen zu einem exklusiven Florenz.

Mitten in dieser Nachbarschaft liegt der Palazzo Segni aus dem 15. Jahrhundert. Vier Jahre dauerte seine aufwendige Restaurierung. Das französische Interior-Design-Duo Gilles & Boissier hat die historische Architektur mit einer zurückhaltenden, zeitgenössischen Eleganz verbunden.

Restaurierte Fresken, geschnitzte Holzdecken, Terrakottaböden und Travertin aus Siena treffen auf ausgewählte Kunstwerke, zeitgenössische Möbel und historische Wandteppiche aus der privaten Sammlung der Marcianos. Die Räume haben Charakter, ohne museal zu wirken. Und sind dabei so selbstverständlich wohnlich, dass man kaum ahnt, wie viel Arbeit hinter dieser scheinbaren Mühelosigkeit steckt.

Die sechs Apartments sind zwischen 170 und 210 Quadratmeter groß und verfügen über ein bis drei Schlafzimmer, eine eigene Küche und großzügige Wohnbereiche. Dazu kommen ein privater Salon, eine Bibliothek, ein Fitnessraum und jene Dachterrasse, auf der ich meinen ersten Morgen verbringe.

Elegantes Schlafzimmer mit einem dunklen Himmelbett, weißer Bettwäsche, Bogenfenstern und einer kunstvoll mit Fresken verzierten Decke.
Aufwachen mit Kunst im Blick: Restaurierte Renaissance-Fresken an der Decke.
Elegantes Badezimmer mit kunstvoll verzierter Fresken-Decke, einem Bogenfenster über der freistehenden Badewanne, zwei Waschbecken, Holzschränken und einem gepolsterten Sessel.
Selbst das Badezimmer ist reich geschmückt.

Ein persönlicher Maître de Maison kümmert sich um alles, was den Aufenthalt noch schöner machen könnte. Ein privates Dinner? Eine besondere Kunstführung? Eine Pilzwanderung mit anschließendem Lunch? Alles lässt sich organisieren. Selbst ein Nachmittag auf dem Landsitz der Marcianos ist möglich. Dort steht den Gästen unter anderem ein Tennisplatz zur Verfügung.

Besonders charmant finde ich die Verbindung zur Nachbarschaft. Den Roomservice übernimmt die traditionsreiche Trattoria Cammillo, nur wenige Schritte entfernt. Seit 1945 gehört das Restaurant zu den festen Größen der florentinischen Gastronomie. Statt einer anonymen Hotelküche kommt das Essen also aus einer der beliebtesten Trattorien der Stadt. Besser kann man sich kaum in Florenz einleben.

Wie aus Florenz ein neues Leben wurde

Olivia und Grégory Marciano wissen aus eigener Erfahrung, wie schnell aus der Begeisterung für eine Stadt der Wunsch werden kann, dort zu leben. Das französische Unternehmerpaar zog 2019 nach Florenz. Zuvor hatten die beiden in Paris und Brüssel gelebt. Grégory gründete 1998 mit Partnern die Restaurantkette Sushi Shop und baute sie zu einem internationalen Unternehmen auf. Nach dem Verkauf 2018 war es Zeit für etwas Neues.

In Florenz kauften die Marcianos die Villa Sorgente, ein historisches Anwesen in den Hügeln der Stadt, das einst der Familie Gucci gehörte. Für die Restaurierung engagierten sie Gilles & Boissier. Die Zusammenarbeit funktionierte so gut, dass das französische Designerduo später auch den Palazzo Segni gestalten sollte.

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Ein Sideboard aus Holz mit einer klassischen Torso-Skulptur in der Mitte unter einem mittelalterlichen Wandteppich, flankiert von weißen Lampen und üppig blühenden Topfpflanzen.
Florenz ist Heimat einer der größten Kunstschätze der Welt. Auch im La Réserve Firenze ist die Kunst allgegenwärtig.

Vor allem aber begannen Olivia und Grégory, sich ihr eigenes Florenz zu erschließen. Sie lernten Künstler und Sammler kennen, entdeckten kleine Werkstätten, schlossen Freundschaften und fanden Orte, von denen man in keinem Reiseführer liest. Drei Jahre nach ihrem Umzug kauften sie den Palazzo im Oltrarno. Gemeinsam mit Michel Reybier entwickelten sie die Idee, ihre neue Heimat auch anderen auf eine sehr persönliche Weise zugänglich zu machen.

Denn Florenz hat viele Gesichter. Wer die Uffizien, den Dom und die Ponte Vecchio besucht, hat einige der größten Kunstschätze der Welt gesehen. Aber hinter den Renaissancefassaden und schweren Holztoren verbirgt sich noch eine andere Stadt. Mit privaten Kunstsammlungen, prachtvollen Innenhöfen, jahrhundertealten Handwerksbetrieben und Palazzi, deren Türen normalerweise verschlossen bleiben.

Ein in warmen Farbtönen gehaltener Flur mit einer offenen Holztür, einer klassischen Marmorbüste auf einem kannelierten Sockel und einem rustikalen Kronleuchter, der sanftes Licht verbreitet.
Gäste hereinspaziert: Mit nur sechs Apartments exklusiven Apartments herrscht hier absolute Privatsphäre.
Eine Steintreppe führt hinauf zu einem offenen Bogenfenster, durch das sanftes Licht in einen schmalen, verputzten Flur mit Metallgeländern fällt.
Wer hier in den Fluren wandelt, fühlt sich schnell in eine andere Zeit versetzt.

Ein paar davon öffnen sich während unseres Aufenthalts. Einer der schönsten Momente erwartet uns nach Sonnenuntergang. Wir besuchen die Kirche Ognissanti bei Kerzenschein. Hier liegt Sandro Botticelli begraben, und auch Werke des berühmten Renaissancekünstlers sind zu sehen. Zu dieser späten Stunde, ohne Besucherströme und fast im Dunkeln, ist die Atmosphäre besonders eindrucksvoll.

Anschließend gehen wir durch den Kirchgarten zum Dinner im spektakulären Showroom von Officine Gullo. Das Unternehmen fertigt luxuriöse Küchen aus Metall, Messing und edlen Materialien, die eher an maßgeschneiderte Möbel als an gewöhnliche Kücheneinrichtungen erinnern. Ein schönes Beispiel dafür, wie lebendig das traditionelle Handwerk in Florenz geblieben ist.

Am nächsten Tag dürfen wir einen Blick in die private Kunstsammlung von Christian Levett werfen. Der ehemalige Investmentfondsmanager und leidenschaftliche Sammler besitzt einen Palazzo in Florenz, in dem Werke bedeutender Künstlerinnen wie Marina Abramović und Tracey Emin zu sehen sind. 2024 eröffnete er im südfranzösischen Mougins das Museum FAMM, das ausschließlich Künstlerinnen gewidmet ist.

Spätestens jetzt verstehe ich, weshalb Olivia und Grégory hier so gerne leben. „Florenz zieht seit Jahren internationale Unternehmer, Kreative, Sammler und Familien an, die länger bleiben möchten als nur ein Wochenende“, erzählt mir Grégory bei einem köstlichen Pasta-Lunch in der Cantinetta Antinori.

Blick über den Arno mit einer gewölbten Steinbrücke, Renaissance-Gebäuden am Flussufer und verschwommenen Blumen im Vordergrund.
Die Schönheit der Stadt zu Füßen. Auch Hollywood hat Florenz längst für sich entdeckt.

Tatsächlich scheint die Stadt gerade eine neue internationale Anziehungskraft zu entwickeln. Menschen aus aller Welt kaufen und restaurieren historische Häuser, ziehen mit ihren Familien hierher und entdecken einen Alltag zwischen Kunst, Schule, Arbeit und dem Abendessen in ihrer Lieblingstrattoria.

Auch Hollywood hat Florenz längst für sich entdeckt. Michael Fassbender und Alicia Vikander verbringen Zeit in der Toskana. Jeff Goldblum hat sich mit seiner Frau Emilie Livingston und den beiden Söhnen in der Nähe des Palazzo Pitti eingerichtet. In Interviews schwärmte er bereits von der Lebensqualität seiner Familie in Florenz. Zu seinen Lieblingsadressen soll übrigens ebenfalls Cammillo gehören.

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Exklusives Wohnen im Herzen von Florenz

Was macht die Stadt so attraktiv? Internationale Schulen, kurze Wege, ein außergewöhnliches kulturelles Angebot und eine Überschaubarkeit, die man in London, Paris oder New York oft vermisst. Man kann vieles zu Fuß erledigen, trifft vertraute Gesichter und lebt trotzdem mitten in einer der großen Kulturstädte Europas.

Und dann ist da natürlich noch die Toskana. Zum Florentiner Leben der Marcianos gehört auch die Landschaft vor den Toren der Stadt. Während unseres Aufenthalts fahren wir zur historischen Abtei L’Orto di Badia, die zum Besitz der Familie Antinori gehört, einer der ältesten Weindynastien Italiens. Nach einer Besichtigung erwartet uns im ehemaligen Küchengarten ein Lunch unter einer weinbewachsenen Pergola. Einer dieser langen italienischen Lunches, bei denen man irgendwann aufhört, auf die Uhr zu schauen.

Gemütliches Zimmer mit gewölbter Decke, dekorativem Wandteppich, drei Bücherregalen aus Holz und einem grünen Sofa mit gestreiften Kissen
Bei der sorgfältigen Restaurierung des Palazzos wurden die historischen Original-Gewölbedecken bewusst erhalten.

Der krönende Abschluss folgt am Abend: Olivia und Grégory haben uns zu sich nach Hause eingeladen. Bei regionalen Spezialitäten und guten Weinen erzählen sie noch mehr von ihrem Leben in Florenz, ihren Entdeckungen und den Menschen, die ihnen inzwischen ans Herz gewachsen sind. Es ist ein schöner Abschluss für eine Reise, die sich weniger wie ein klassischer Hotelaufenthalt angefühlt hat als wie ein Besuch bei Freunden.

Am nächsten Morgen stehe ich wieder auf der Dachterrasse. Eigentlich müsste ich bald zum Flughafen. Dabei würde ich vorher so gerne noch die aktuelle Ausstellung im Palazzo Strozzi sehen. Und ein Abstecher zu Ferragamo wäre auch nicht schlecht.

Ein paar Tage länger? Sofort. Vielleicht ist das das schönste Kompliment, das man einem Hotel machen kann: dass man gar nicht das Gefühl hat, in einem zu wohnen. Sondern in Florenz zu Hause zu sein.

Runder Holztisch mit einer antiken Vase mit rosa Blumen und gestapelten Büchern in einem gemütlichen, rustikalen Eingangsbereich
Die Privatapartments verbinden florentinische Renaissance-Architektur aus dem 15. Jahrhundert mit Pariser Interior Design.
Gemütliche Ecke mit einer dunkelgrünen Samt-Sitzgruppe, einem runden Couchtisch aus Holz, auf dem eine klassische Büste steht, einem gerahmten Schwarz-Weiß-Foto einer Statue und einem hohen Regal aus Eichenholz
Gelungener Stilmix: Hier herrscht ein Zusammenspiel aus zeitgenössischem Möbeldesign und maßgefertigten Einbauten.
Nahaufnahme einer blonden Frau mit blaugrünen Augen, die ein dunkles Shirt trägt und vor einem dunklen Hintergrund sanft lächelt.

Michaela Cordes

Michaela Cordes war über zwei Jahrzehnte Chefredakteurin von GG und hat das Magazin in dieser Zeit maßgeblich geprägt. Als Autorin hat sie alle sieben Kontinente bereist und ist bis heute immer auf der Suche nach einzigartigen Orten und Hotels, faszinierenden Persönlichkeiten und ihren außergewöhnlichen Werdegängen.

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