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Erdgas – vom Hoffnungsträger zum Schmuddelkind

Wohl kein Energieträger hat jemals einen so schnellen Abstieg erlebt wie Erdgas im Laufe des vergangenen Jahres. Vom allseits gelobten Brückenenergieträger und idealen Partner der erneuerbaren Energien zum Schmuddelkind der Energiewelt. Der Gedanke aller Nutzergruppen – ob nun Industrie und verarbeitendes Gewerbe, Dienstleister, Immobilieneigentümer oder Wohnungsbaugesellschaften sowie Privathaushalte: Nur raus aus dem Erdgas, Finger weg!


Die Frage, die sich aufdrängt: Wie konnte es so schnell dazu kommen?

Denn auf dem Papier hatte Erdgas wahrlich das Potenzial, deutsche Industrieunternehmen am Laufen und unsere Wohnzimmer warm zu halten. Ein relativ klimaschonender Energieträger, bis sich in irgendeiner fernen Zukunft alles über den Einsatz der erneuerbaren Energien – sprich Sonne, Wind, Wasser, Geothermie – regeln ließe.


Die Voraussetzungen waren gut: Denn Erdgas kann im Vergleich mit den bekannten Dreckschleudern Kohle und Heizöl eine gute Klimabilanz aufweisen. Erdgas verursacht rund ein Drittel weniger Treibhausgase, zwischen 50 und 95 Prozent weniger Stickoxide und nahezu keinen Feinstaub. Zudem war es lange Zeit preiswert und das Angebot nicht gefährdet.


Und Erdgas ist vielseitig einsetzbar. Ob in industriellen Prozessen, als Energieträger in der Kraft-Wärme-Kopplung (so wie in vielen Heizkraftwerken in Berlin), als der mit Abstand wichtigste Energieträger zum Heizen in Deutschland, als Treibstoff für Pkw und Lkw – unendliche Möglichkeiten taten sich auf.


Erst wurde es teuer, dann knapp


Doch seit 2021 haben sich die Vorzeichen verdichtet, dass sich die Liaison mit Erdgas doch nicht als so fruchtbar erweisen würde wie erhofft. Zunächst wurde es richtig teuer: Nach Angaben des Branchenverbands BDEW stieg der Gaspreis für Haushalte in Mehrfamilienhäusern zum April 2022 um 105 Prozent an: von 6,47 Cent pro Kilowattstunde (kWh) im Vorjahr auf durchschnittlich 13,26 Cent/kWh. Und dann wurde das einst aus allen Leitungen und Rohren sprudelnde und zischende Erdgas auch noch knapp, als Russland begann, nach und nach die Leitungen zuzudrehen.


Zeit, über Alternativen nachzudenken


Es wird also Zeit umzudenken. Doch welche Alternativen gibt es, insbesondere für Erdgasheizungen in Wohnimmobilien? Hier ein kleiner Überblick über drei Technologien:



1. Der Klassiker


Menschen, die im vornehmen Berliner Südwesten leben, kennen den typischen Geruch, der sich an dunklen und kalten Winterabenden über die Villen am Stadtrand legt. Dann werden nämlich die in vielen Häusern eingebauten Kamine angeschmissen; verfeuert wird alles, was der Wald in Brandenburg und weit darüber hinaus noch hergibt. Früher eher Statussymbol für noch mehr Gemütlichkeit im eigenen Zuhause, kommt dem Kaminofen in der Energiekrise eine ganz neue Bedeutung zu. Als vernünftige Alternative zur Erdgasheizung eignet er sich aber nur, wenn ständig Scheite nachgelegt werden, sonst können die Räume schnell auskühlen.


Doch Vorsicht! Das Umweltbundesamt hat jetzt dazu geraten, aus gesundheitlichen, aus ⁠Klimaschutz⁠-, aber auch aus ökologischen Gründen auf die Nutzung von Holz zur Wärmeversorgung zu verzichten. Und wenn doch, muss man es richtig machen. Wichtige Tipps finden Sie hier.


Die Pelletheizung ist die moderne und klimaneutrale Variante des Kaminofens und bereits seit einigen Jahren genauso stark nachgefragt wie andere Biomasseheizungen.



2. Der Newcomer


Als Newcomer auf dem Markt fliegen der strombetriebenen Wärmepumpe momentan alle Herzen zu. Vor allem die Politik steht auf die Technologie und die Installateure kommen gar nicht mehr hinterher. 


Kurzer Exkurs: Die Wärmepumpe nutzt die Umgebungsluft, um Wärme für das Gebäude zu erzeugen – ähnlich wie ein Kühlschrank, nur umgekehrt. 


Das Problem bei der Wärmepumpe: lange Lieferzeiten, Engpässe bei der Produktion und der oft zitierte Fachkräftemangel stehen dem angepeilten Erfolg dieser Technologie entgegen. Und: Schlecht oder falsch eingestellte Wärmepumpen werden schnell zu Stromfressern, und Strom ist ja bekanntlich auch nicht gerade preiswert.



3. Der Hoffnungsträger


Eine Solarthermieanlage auf dem eigenen Hausdach kann aus Sonnenenergie Warmwasser und Heizwärme erzeugen und funktioniert im Grunde genommen ähnlich wie eine Photovoltaikanlage. Kollektoren fangen die Sonnenstrahlung auf und wandeln sie in thermische Energie um, die wiederum von einem Speicher aufgenommen wird – unterm Strich eine Technologie, die durch ihre Effizienz und Einfachheit besticht.


Das große Aber: Wir leben in Deutschland und nicht am Mittelmeer, wo ganzjährig die Sonne Landschaft und Menschen verwöhnt. An einem kalten, dunklen Januarmorgen muss eine Solarthermieanlage in Berlin durch andere Heizungsarten unterstützt werden, sonst bleiben die Wohnung, das Haus und die Dusche kalt.



Das Fazit:


Ein paar abschließende Gedanken: Die derzeitige Energiekrise beschleunigt möglichweise nur Prozesse, die ohnehin vor allem auf Hausbesitzer und Eigentümer in den kommenden Jahren zugekommen wären. Noch wird von den 43 Millionen Wohnungen in Deutschland gut die Hälfte mit Gas beheizt. Viele Erdgaskessel sind aber veraltet und müssen bald nicht nur aus Kosten-, sondern auch aus Klimaschutzgründen ausgetauscht werden. Spätestens ab 2025 muss jede neue Heizung mindestens mit 65 Prozent erneuerbaren Energien heizen.


In der Diskussion darf zudem nicht vergessen werden, dass Energieeffizienz immer noch die beste Methode ist, um Kosten zu reduzieren. Es gibt viele günstige Möglichkeiten, um schnell Energie und damit Kosten einzusparen – vor allem, wenn eine Erdgastherme für Wärme sorgt, lohnt es sich, schnelle und kostengünstige Sanierungsmöglichkeiten in den Blick zu nehmen.


Und schließlich gilt: Während wir aktuell noch von konventionellem Erdgas reden, werden in Zukunft andere Gase in den Mittelpunkt rücken. Die Rede ist von erneuerbaren, dekarbonisierten Gasen sowie Wasserstoff (H2), die im Zusammenspiel mit Solarthermie für günstige und CO2-neutrale Wärme sorgen werden. Viele Gasthermen sind schon heute H2-ready und damit bereit für künftige Lösungen.

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