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  • von Doya Karolini

Die hohe Kunst der Einfachheit

Küchenchef Petros Dimas betrachtet das Kochen als eine Kunst der Beobachtung - und das Leben als ein stilles Fest der Sinne.

Close-up portrait of a chef wearing a white jacket, looking confidently at the camera against a neutral wall.
Foto von: Courtesy of Makris Athens by Domes

Petros Dimas ist Chef Patron des Makris Athens by Domes, einem mit einem Michelin-Stern (2024) ausgezeichneten Restaurant in Thiseio, und Leiter von drei weiteren Makris-Restaurants auf Korfu, Kreta und Milos, die zum Netzwerk der Domes Resorts gehören.

Er stammt aus der Gegend von Korinth, wo seine Familie einen Bio-Bauernhof betreibt, der die Hauptrohstoffquelle für seine Küche darstellt - fast 95 % des von ihm verwendeten Gemüses und der Kräuter stammen direkt von dort. Die Philosophie des Unternehmens basiert auf Nachhaltigkeit und Respekt vor den Rohstoffen und zielt auf kulinarische Exzellenz und internationale Anerkennung ab.

A smiling chef in a white jacket standing near a window, bathed in soft natural light.
Foto von: Courtesy of Makris Athens by Domes

Er ist jedoch nicht nur ein Koch. Er ist ein Dichter der Materie, des Geschmacks und der Stille. Ein Koch, der mit jedem Gericht emotionale Landschaften aufbaut. Geboren in Athen und aufgewachsen zwischen der Hauptstadt und Messolonghi, erlebte er die Intensität der Kontraste von jung auf: das Meer und der Berg, die Erde und der Stein, Tradition und Freiheit. Diese Erfahrungen, kombiniert mit seiner Liebe zur Literatur, Musik und Fotografie, haben einen Schöpfer geformt, der mit Erinnerungen und Visionen kocht.

Seit seiner Kindheit verbrachte er die Sommer neben seinem Großvater im Olivenhain und lernte die Bedeutung von Zeit, Stille und Sorgfalt. Diese Werte spiegeln sich in jedem Gericht wider, das er heute serviert. "Kochen ist keine Technik", sagt er. "Es ist eine Beobachtung. Es geht darum, einem Produkt gegenüberzustehen und ihm Raum zum Sprechen zu geben.

A flat-lay composition showing bread, olive oil, and a small plated bite presented with elegant cutlery on a stone-textured surface.
Foto von: Courtesy of Makris Athens by Domes

Er spricht über den Olivenbaum, als wäre er ein Mensch. Sie liebt das tiefe Grün ihrer Blätter und das Gefühl des Öls auf ihren Händen. Er nennt es "Muttergeschmack". Er liebt Salz, nicht wegen des Geschmacks, den es verleiht, sondern wegen seiner stillen Kraft. Und wenn man ihn fragt, wie er ein Rezept beginnt, spricht er nicht über Techniken oder Regeln; er beginnt mit Musik, einem Glas Wein und einem leeren Blatt. Er erstellt Listen, probiert Kombinationen aus, entwirft Geschmacksrichtungen, so wie andere Häuser oder Gedichte entwerfen.

Er liebt Rainer Maria Rilke - besonders "Die Notizbücher des Malte Laurent Brige" - und hört Manos Hadjidakis, wenn er die Menükarten schreibt. Seine Küche ist kein Ort der Zumutung, sondern ein Ort des Dialogs. Er arbeitet eng mit seinen Erzeugern zusammen, gibt den Rohstoffen Raum und kocht mit Saisonalität und Bescheidenheit.

Er ist inspiriert von Griechenland, das nicht schreit. Die Landschaften von Mittelgriechenland, die Lichter des Westens im Ionischen Meer, der Geruch von brennendem Holz. Seine Lehrmeister waren nicht nur die Köche, mit denen er zusammenarbeitete, sondern auch seine Großmutter, die mit absoluter Sicherheit Minze in seine Frikadellen gab. Auf die Frage, welches Geschirr er in sich trägt, antwortet er ohne Umschweife: "Bohnen, Brot, Oliven. Darin liegt das Wesentliche".

A chef seated in a warmly lit room, wearing a white jacket and resting his hands on the table, looking thoughtfully at the camera.
Foto von: Courtesy of Makris Athens by Domes

Seine Routine in der Küche ist pietätvoll. Wacht früh auf, kommt zuerst an, hört Musik. Bevor er das Messer anfasst, schreibt er - eine Liste, einen Gedanken, einen Vers. Kochen ist für ihn eine Lebensweise, eine Denkweise, der Filter, durch den er die Welt versteht. Wenn man ihn bittet, sich selbst in drei Worten zu beschreiben, wählt er diese: "Hartnäckig. Beobachter. Introvertiert."

Ein Traum von ihm? Für Sophia Lauren zu kochen. Ein einfaches und echtes Gericht: Nudeln mit Öl, Zitrone und viel Parmesan. "Denn Eleganz", sagt er, "ist immer eine Frage der Einfachheit".

Wenn man mit ihm spricht und seine Aromen probiert, wird es klar: Petros Dimas kocht, um Momente zu schaffen. Wie Fotos, die noch nicht gedruckt wurden, an die man sich aber für immer erinnern wird.

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