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*Engel & Völkers präsentiert Fumie Ogura und Xiaohan Xu

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Wie sind Sie Künstlerin geworden?

Ich habe mit 15 Jahren angefangen in meiner Heimat Japan Kunst zu studieren. Zunächst Ölmalerei. Aber eine Leinwand war einfach viel zu flach für mich. Ich wollte 3D Arbeiten machen. Ich habe geklebt und improvisiert, bis die Leinwand 3D wurde. Deshalb bin ich von der Ölmalerei weggegangen und habe Innenarchitektur studiert. Das war eine ganz andere Welt. Es war zwar alles 3D, aber alles hatte einen ganz genauen Plan. Ich konnte nicht machen, was ich wollte. Deshalb habe ich auch mit dem Innenarchitekturstudium aufgehört und dann endlich „Objekte und Installationen“ studiert.

Wie ging es Ihnen am Anfang als Künstlerin?

Ich habe sehr viel improvisiert und hatte gleichzeitig so viele Fragen. So habe ich erstmal viel getestet, zum Beispiel mit bunter Folie und der Reflexion von Sonnenstrahlen. Oder mit einem Mohairfaden und einer Spiegelfolie, die ich so in eine andere Form gezogen habe. Ich fand das sehr interessant. Aber alles war: Test, Test, Test.

Sind Sie deshalb ins Ausland gegangen, nach München?

Ja, denn mich beschäftigte einfach die Frage, was der Inhalt meiner Arbeit ist. Ich wollte mein Konzept weiter entwickeln. Das war mir sehr wichtig. Ich wollte mich erklären können. Meine erste Idee war deshalb, Philosophie zu studieren. Doch gleichzeitig mit Kunst war das zeitlich nicht vereinbar. Deutschland war sehr interessant für mich, weil es hier so viele Konzeptkünstler gibt. Und natürlich auch Beuys. Ich dachte mir, hier kann ich viel lernen, vor allem mich besser zu erklären.

War es wichtig nochmal zu studieren?

Ja, das war sehr wichtig. Denn ich war noch so jung, unsicher und kam einfach nicht weiter. In München war das Studium an der Kunstakademie sehr frei. Ich war oft im Atelier und vor vier Jahren habe ich dann bei Prof. Helmut Pitz mein Diplom gemacht. Seitdem bin ich hier in der Baumstrasse im Atelier.  

Können Sie sich nun besser erklären?

Für mich ist es sehr wichtig, die Wirkung der Kombination von verschiedenen Objekten zu zeigen. Es gibt so vieles, was bereits fertig ist. Ich versuche, die Perspektive der Dinge ein Stück weiter zurück zu setzen, also Informationen hervorzuholen, auf die man eigentlich gar nicht achtet. Zum Beispiel eine Teetasse. Es ist nicht nur eine Tasse, sie hat eine bestimmte Form, sie ist aus einem bestimmten Material, hat einen Griff usw.. Reflexionen sind auch ein sehr spannendes Thema. Ich spiele oft mit Licht und Spiegeln. Oder Schwerkraft oder Reibung. Also alltägliche physikalische Wirkungen, die oft unbeachtet bleiben. So würde ich meine Arbeit erklären.  

Was sind Objekte, bzw. Materialien, die Sie gerne verwenden?

Ich suche sie mit meinem sehr persönlichen Geschmack aus. Es sind Dinge, die ich einfach cool finde. Zum Beispiel Ölfässer. Ich mag sie sehr und verwende sie immer wieder, wie hier in meiner Arbeit, in der ein Ölfass mit einem sehr starken Magnet quasi in der Luft schwebt, nur auf einer Kante. Das ist maximale Balance.

Sie arbeiten viel 3D, aber dennoch auch 2D.

Ja, ich habe eine Serie von schwarz-weiß Fotos gemacht. Die Fotos sind 2D, aber die Motive selbst sind wieder 3D.

Können Sie mir etwas zu dem Bild TAU erzählen?

Hier habe ich zum ersten Mal ein Wort in meiner Arbeit verwendet. Ein deutsches Wort. Ich finde das so schön, denn hier habe ich versucht, eine Naturerscheinung zu Kunst werden zu lassen mit einem gleichzeitigen Blick auf das reine Wort: TAU. Dann kommt eine Wirkung zu Stande. Eigentlich kann man sagen, dass dieses Werk so eine Art „Mind Map“ für meine ganzen Arbeiten ist. Denn ein Ding, wie hier das Wort TAU, von mehreren Seiten zu betrachten, ist eine Herangehensweise, die immer wiederkehrt.

Sie haben auch eine Serie von Blauen Bildern. Erzählen Sie mir etwas darüber.

Bei diesen Bildern presse ich blaue Acrylfarbe mit einer durchsichtigen Acrylplatte auf eine graue Platte. Dabei entsteht dieses ganz eigene Muster. Man kann viel diskutieren, nach was die Bilder aussehen. Ich selbst bin als Künstlerin auch Betrachterin. Ich muss zwar für die Farbe und die durchsichtige Platte eine genaue Position finden, aber wie das Muster dann wirklich wird, kann ich nicht kontrollieren. Es entsteht aus meinem Inneren heraus. Wenn es getrocknet ist, sehe ich selbst ganz viele Dinge darin. Zusammen hält die Arbeit von ganz alleine, nach dem physikalischen Gesetz der statischen Aufladung.

Es ist eine Serie. Was unterscheidet eine Serie von einem einzelnen Werk?

Ich sehe die Bilder zusammen. Sie wirken nicht nur alleine, sondern auch in ihrer Gesamtheit als Serie. Deshalb kann ich auch die einzelnen Bilder nicht einfach umdrehen und so das Motiv verändern, denn ich habe sie nach einem ganz bestimmten Plan in mir selbst gemacht.

Gibt es Materialien und Objekte, die immer wiederkehren, aber keine Serie sind?

Ja, zum Beispiel die Ölfässer. Oder Arbeiten mit Magneten. Wie dieses: „Kiss Kiss“. Hier halten diese beiden Magnete das Bild zusammen, obwohl sie sich nicht berühren. Es ist wieder ein Spiel mit den physikalischen Gesetzen. Diese Werke, mit den Fässern oder den Magneten, sind keine Serien, auch wenn sie die Art des Objekts gemeinsam haben.

Sie stellen Ende Februar bei Engel & Völkers in der Residenzstraße aus. Wie ist das für Sie?

Es ist sehr spannend für mich. Denn der Raum selbst hat schon Charakter. Der Raum und meine Arbeiten sollen gut miteinander harmonieren. Das wäre sehr schön. Für mich ist es immer ganz spannend, einen Raum, der einen starken Charakter hat, mit meiner Kunst zu kombinieren.

Gibt es nach der Ausstellung bei Engel & Völkers noch weitere Projekte, die Sie planen?

Ich würde sehr gerne eine Installation in einem öffentlichen Raum machen. Es sind sehr viele Dinge, die man bei so einem Projekt beachten muss, die einem als Künstler einschränken, aber dennoch viel Freiheit lassen. Das würde ich sehr gerne mal ausprobieren. Mit den ganzen Planungen drum herum.

Text: Friederike Langkau

Portraits: Christine Dempf

Kuratorin: Bashira Cabbara

München - xiohan_xu_engelvoelkers_muenchen

Können Sie mir etwas über Ihre Biographie erzählen?

Ich bin 1985 in einer sehr kleinen Stadt in Nordchina geboren. Nach der Schule habe ich an der Akademie der Bildenden Künste München studiert. 2011 habe ich die Chance bekommen, an einem Austauschprogramm mit der Akademie teilzunehmen. So lernte ich die Stadt kennen. Ich mochte es hier. Nach meinem Abschluss entstand die Idee, für länger nach Europa zu gehen. Ich wollte die europäische Kunst einfach besser kennen lernen. Die Professoren, die ich beim Austausch nach München kennen gelernt hatte, empfingen mich gerne. So bin ich 2013 hierhergekommen und studiere jetzt an der Akademie.

Haben Sie von Anfang an Fotografie studiert?

Nein, am Anfang wollte ich Bildhauer werden. In China ist es aber so, wenn man Bildhauer werden will, muss man auch sehr gut malen können. Das liegt mir nicht so sehr.  Deshalb habe ich zur Fotografie gewechselt. Ich bin sehr glücklich darüber, denn sie ist mittlerweile eigentlich ein viel besseres Mittel für mich, mich auszudrücken.  

Was unterschiedet die Fotografie in China von der in Europa?

In China mag es jeder sehr, Selfies zu machen. Jeder möchte sein Leben zeigen. Hier ist das zwar auch so, aber nicht so ausgeprägt. Normale Menschen fotografieren einfach viel mehr: ihren Alltag, ihre Reisen ... Wenn ich in München chinesische Touristen sehe, tragen sie alle eine riesige Kamera um den Hals. Andersherum, also wenn ich europäische Touristen in China sehe, ist das nicht so. Die Fotografie hat im Alltag in China einfach eine größere Bedeutung.

Sind Sie ein Fotograf oder sind Sie ein Künstler?

Mit dieser Frage beschäftige ich mich auch. Manchmal finde ich, ich bin ein Künstler, aber ich bin auch Fotograf. Fotograf zu sein, ist ein sehr guter Beruf. Denn da kann man auch Künstler sein. So bin ich eigentlich beides und beides sehr gerne.

Als Künstler stellen Sie jetzt bei Engel & Völkers aus. Welche Werke werden wir da sehen?

Das eine Bild heißt „Judith“. Es gehört zu der Serie „Jungle“ = Wald. Der Wald ist für mich etwas sehr natürliches. Ich habe immer das Gefühl, dass wir alle eigentlich aus dem Wald kommen. Aber in unserer Gesellschaft ist dieser „Wald“ eben nicht mehr so natürlich. So nehme ich den natürlichen Wald als Bühne für meine Geschichten, die ich erzählen möchte. Judith liest z.B. sehr gerne. Sie hat wirklich viele Bücher. So liegt sie im Wald auf einem Teppich aus Büchern. Und über ihr die weiße Wolke.

Was hat es mit dieser weißen Wolke auf sich?

Das ist eine Art Sinnbild für einen Traum, für eine Unwahrheit … Mit ihr rücke ich das Bild aus der normalen Welt heraus. Der Wald ist die Bühne, die Wolke die Requisite, wie bei einem Theaterstück. 

Zeigen Sie noch ein weiteres Bild aus diesem Zyklus?

Ja. Es heißt „Dr. Lee“. Dr. Lee ist ein Freund von mir. Früher war er ein Doktor. Aber momentan ist er arbeitslos. So kauft er jeden Tag etwas von Penny oder Aldi - also sehr günstige Sachen. Deshalb habe ich ihn mit zwei sehr schweren Einkaufstüten im Wald fotografiert. Denn das Leben ist schwer und birgt so viele Herausforderungen. Aber Dr. Lee ist nicht traurig. Er ist positiv.

Sie überlegen sich die Inhalte für Ihre Fotos sehr genau, bevor Sie fotografieren. Stimmt das?

In meinem Kopf habe ich meist, wie bei der Serie „Jungle“, eine ganz genaue Vorstellung von der Szenerie. Und dann überlege ich, welche Leute dort hineinpassen.  Aber wenn ich dann fotografiere, gibt es trotzdem jedes Mal etwas, was ungeplant passiert, z.B. bei dem Bild „Freiman“. Da sind zwei Personen zu sehen. Geplant war eigentlich nur eine Person.

Ist die Serie „Jungle“ abgeschlossen?

Ja, momentan ist die Serie abgeschlossen. Aber ich überlege in Zukunft vielleicht eine Variante dieser Serie fortzuführen.

Wie hoch ist denn die Auflage Ihrer Werke? Gibt es jedes Foto beliebig oft oder nur in einer bestimmten Auflage?

Jedes Bild gibt es zehn Mal.

Stellen Sie auch einen Leuchtkasten aus der Serie „Ding an sich“ aus? Was können Sie mir dazu erzählen.

Ja, das werde ich. In dieser Serie habe ich versucht, abstrakt eine Geschichte zu erzählen. Jedes Objekt ist aus Papier, welches ich in einem sehr dunklen Raum mit einem Laserpointer und einer sehr hohen Belichtungszeit fotografiert habe.  Dadurch bekommt das Objekt aus Papier einen ganz eigenen Charakter.

Was bedeutet der Name: das „Ding an sich“?

Der Titel bezieht sich auf ein philosophisches Konzept Immanuel Kants zum „Ding an sich“, also zum reinen Gegenstand. Gemäß Kant kann man kann nie das Ding an sich verstehen. Man begreift nur seine Oberfläche oder das Ding an sich in Relation zu sich selbst, aber nie das Ding an sich als solches. Und so habe ich aus dem „Ding an sich“, also aus Kants Text darüber, meine Papierobjekte geformt und durch meine Fotografie eine Oberfläche dieses Dings an sich geschaffen.  

Wie finden Sie die Ideen für Ihre Werke?

Manchmal lese ich ein Buch, wie das über das Ding an sich, oder ich schaue die Nachrichten. Verschiedene Sachen geben mir meine Ideen. Habe ich eine neue Idee im Kopf, setze ich mich gleich an die Arbeit.

Was ist denn, wenn ich als Betrachter oder Käufer die Ideen hinter Ihren Bildern nicht kenne? Ist das ein Problem?

Ich glaube, für die meisten Menschen ist das Bild einfach nur schön. Das reicht auch. Wenn ich manchmal ins Museum gehe, verstehe ich auch nicht immer, was mir der Maler sagen will. Aber ich kann es fühlen. Und um dieses Gefühl geht es mir. Wenn jemand aber meine Fotografien noch genauer verstehen möchte, gebe ich natürlich Auskunft.

Zurück zum Alltagsfoto. Wenden Sie sich bewusst davon ab?

Es kommt darauf an. Für mich ist das auch Fotografie. Es gibt auch eine Philosophie über die Selbstdarstellung. Nicht für alle, aber für manche ist es einfach mehr als nur ein normales Bild. So kann man damit auch Kunst erschaffen.  

Jetzt stellen Sie bald bei Engel & Völkers aus. Wie ist das für Sie?

Dieses Büro in der Nähe des Odeonsplatzes und mit Blick auf die Residenz gelegen, ist natürlich ein toller Ort. Ich freue mich sehr darauf. Jede Ausstellung ist für mich auf der einen Seite eine Phase der Ruhe, aber auf der anderen Seite auch ein wichtiger Push um weiter zu machen, neue Ideen zu entwickeln.

Welche Ideen haben Sie schon im Kopf?

Ich will mein Leben fotografieren, in München und in China in meiner Heimatstadt. Ich will ein paar Freunde und Landschaften hier fotografieren, und ein paar Freunde und Landschaften in China. Meine Eltern, die Eltern meiner Freundin usw… Dann mache ich vielleicht ein Fotobuch daraus. Sehr warm, sehr schön, quasi ein Buch über mich.

Es wirkt so, als ob Sie sich nun doch mehr der Alltags-Fotografie zuwenden?

Momentan ist das Leben für mich wichtiger als Kunst. Man kann so viele Sachen lernen von dem normalen Leben. Daraus mache ich dann Kunst. So übe ich mich ein bisschen in der „spontanen“ Fotografie. Jeden Tag muss ich Fotos machen. Ich habe immer meine Kamera dabei.

Inwiefern werden diese Bilder dann bearbeitet?

Ich fotografiere in letzter Zeit öfter mit analogen Kameras. Diese Fotos muss man immer bearbeiten. Zunächst muss man den Film entwickeln, dafür muss man die Entwicklungslösungen und Chemikalien im richtigen Verhältnis mischen. Danach muss der Film trocknen, gescannt werden, nachbearbeitet werden … Dieser Prozess ist inzwischen für mich sehr entspannend, quasi fast schon eine Art Meditation.

Text: Friederike Langkau

Portraits: Laura Weber

Kuratorin: Bashira Cabbara

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