• 3 min. Lesezeit
  • 11.06.2026

Vorteile der Mitarbeiterwohnung

Mitarbeiterwohnen hilft bei der Gewinnung und Bindung von Fachkräften. Warum viele Unternehmen trotzdem zögern, zeigt eine Studie des IW Köln aus dem Jahr 2026

Balkone an einem Mehrfamilienhaus
Foto von: Pixabay

Der Fachkräftemangel einerseits und der knappe, teure Wohnraum in deutschen Großstädten andererseits machen das Konzept der Mitarbeiterwohnung, auch Dienstwohnung oder Werkswohnung genannt, wieder aktuell. Unternehmen können so neue Mitarbeitende gewinnen und bereits Beschäftigte langfristig an sich binden.

Das Konzept hat eine lange Historie. Während der Industrialisierung im 19. Jahrhundert entstanden in Deutschland ganze Quartiere für Arbeitnehmer großer Unternehmen, etwa die Berliner Siemensstadt. In den 1970er-Jahren erreichte der Werkswohnungsbau seinen historischen Höhepunkt. Der Bestand lag damals bei rund 450.000 Einheiten. Danach verlor der Ansatz an Bedeutung: Auf einem entspannten Wohnungsmarkt erschien der Verwaltungsaufwand schlicht zu hoch. Ist das heute angesichts des Wohnraummangels und des Bedarfs an Fachkräften bei Arbeitgebern noch immer so?

Inhaltsverzeichnis

  1. Wie sich Arbeitgeber beim Mitarbeiterwohnen engagieren

  2. Ein Plus für Arbeitgeber: Rekrutierung und Bindung

  3. Steuerliche Vorteile für Firma und Beschäftigte

  4. Hemmnisse: Was Unternehmen zurückhält

  5. Mitarbeiterwohnen und der Wohnungsmarkt

Wie sich Arbeitgeber beim Mitarbeiterwohnen engagieren

Laut einer repräsentativen Befragung von 826 Unternehmen durch das Institut der deutschen Wirtschaft (IW Köln) bieten zurzeit 9 Prozent der deutschen Unternehmen ihren Beschäftigten direkt Wohnraum an. Das geschieht entweder über eigene Bestände, Tochtergesellschaften oder externe Wohnungsunternehmen. Weitere 21 Prozent unterstützen ihre Mitarbeitenden indirekt bei der Wohnraumsuche, etwa über interne Mietbörsen, die Übernahme von Maklerkosten oder organisatorische Hilfestellungen.

Dabei zeigen sich deutliche regionale Unterschiede: Im Süden Deutschlands engagieren sich mit 29 Prozent besonders viele Unternehmen in Form von Unterstützung bei der Wohnraumsuche. Im Norden hingegen ist die direkte Wohnraumbereitstellung mit 15 Prozent am weitesten verbreitet.

Ein Plus für Arbeitgeber: Rekrutierung und Bindung

Das stärkste Argument für das Engagement bei der Wohnraumsuche ist der Effekt auf das Personalmarketing:

  • Erleichterte Rekrutierung: Laut IW-Studie geben 58 Prozent der Unternehmen an, dass die Gewinnung neuer Fachkräfte durch ihre Wohnraumangebote spürbar erleichtert wird. Besonders relevant ist das für internationale Talente, für die ein konkretes Wohnungsangebot die Entscheidung pro neuem Arbeitsplatz maßgeblich beeinflusst.

  • Höhere Mitarbeiterbindung: Bei der langfristigen Bindung von Fachkräften berichten 55 Prozent der Unternehmen von positiven Effekten.

  • Vorteil bei Auszubildenden: Azubis konkurrieren auf dem freien Wohnungsmarkt oft mit finanzstärkeren Gruppen, während es für sie im Gegensatz zu Studierenden kaum staatliche Wohnheime gibt. Ein betriebliches Angebot ist hier ein echter Wettbewerbsvorteil.

Steuerliche Vorteile für Firma und Beschäftigte

Ein Arbeitgeber kann die Kosten für Werks- oder Mitarbeiterwohnungen in der Regel voll als Betriebsausgaben geltend machen. Ob das über die reguläre Abschreibung (AfA) bei Eigentum oder als direkte Ausgabe bei Anmietung geschieht, hängt vom gewählten Modell ab.

Auch für die Mitarbeitenden sind Werkswohnungen steuerlich interessant. Liegt die verlangte Miete nicht mehr als ein Drittel unter der ortsüblichen Vergleichsmiete und übersteigt diese Vergleichsmiete den Betrag von 25 Euro pro Quadratmeter nicht, entfällt die Versteuerung als geldwerter Vorteil. Der Arbeitgeber muss dazu nicht einmal Eigentümer sein. Das Modell funktioniert auch, wenn das Unternehmen die Wohnung anmietet und an Beschäftigte untervermietet. 

Anders sieht es oft aus, wenn es um Belegungsrechte geht, das heißt, wenn das Unternehmen lediglich ein Vorschlagsrecht für Mieter bei einem Dritten erworben hat. Hier kann unter Umständen der steuerliche Vorteil entfallen. Um alle Optionen und Eventualitäten berücksichtigen zu können, empfiehlt es sich, eine Steuerberatung hinzuzuziehen.

Hemmnisse: Was Unternehmen zurückhält

Trotz der Vorteile plant laut IW-Studie zurzeit nur eine Minderheit von je 4 Prozent der Unternehmen, in den kommenden fünf Jahren neue Angebote beim Mitarbeiterwohnen einzuführen. Als Hürden gelten die folgenden Aspekte:

  • 67 Prozent der Betriebe nennen ungünstige rechtliche Rahmenbedingungen für Anmietungen als größtes Hindernis.

  • 44 Prozent vermissen geeignete Kooperationspartner aus der Immobilienwirtschaft.

  • 38 Prozent scheuen den hohen finanziellen und 37 Prozent den organisatorischen Aufwand.

Gerade für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) ohne eigene Immobilienabteilung ist das Zusammenspiel aus langen Mietbindungen und kurzfristig schwankenden Personalbedarfen eine komplexe Gleichung. Das IW Köln sieht hier Potenzial in arbeitsteiligen Kooperationsmodellen: Mehrere kleinere Arbeitgeber könnten gemeinsam mit einem Wohnungsunternehmen Wohnraum anbieten und den administrativen Aufwand so auf mehrere Schultern verteilen.

Mitarbeiterwohnen und der Wohnungsmarkt

Kann das Konzept über den betrieblichen Nutzen hinaus auch zur allgemeinen Entspannung der Wohnungsmärkte beitragen? Das IW Köln sieht das differenziert: Wer Bestandswohnungen für Mitarbeitende aufkauft oder anmietet, schafft schließlich kein neues Angebot.

Anders verhält es sich bei Neubau oder Umnutzung: Auf brachliegenden Betriebsgrundstücken oder in leerstehenden Bürogebäuden kann dringend benötigter neuer Wohnraum entstehen, ohne in direkte Konkurrenz zu anderen Investitionsprojekten zu treten. Entscheidend dafür seien laut Studienergebnis zügige, digitale Genehmigungsverfahren sowie eine enge, strategische Zusammenarbeit von Arbeitgebern, Kommunen und der Wohnungswirtschaft.

Zahlen und Einschätzungen im Artikel basieren auf: Deschermeier / Sagner / Voigtländer: „Mitarbeiterwohnen in Deutschland – Zwischen steigender Relevanz und fortbestehenden Hürden“, IW-Trends 1/2026, Institut der deutschen Wirtschaft Köln. Zugriff unter diesem Link.

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