
- 3 min.
- 09.03.2026

Ort
Hamburg, Deutschland
Fotografie
House of Kabs
Das Licht fällt durch große Glasfronten, neun Stilwelten führen von Skandi-Style bis Maximalismus, dazwischen finden sich Kunst und Raum für Begegnung: Das neue „House of Kabs” in der Hamburger City Nord ist mehr als ein Showroom. Auf über 8.000 Quadratmetern hat das Familienunternehmen einen Ort geschaffen, an dem Wohnen erlebbar wird. Am 29. August 2025 eröffnete der Flagship-Store, der Design, Kultur und Kreativität miteinander verbindet. Geschäftsführer Robert A. Kabs spricht im Interview über die Entstehung des Hauses, seine Vision für die Zukunft des Möbelhandels und seinen Antrieb, Räume für Inspiration zu schaffen.

Herr Kabs, Sie haben gemeinsam mit Ihrem Bruder Jens Uwe die „Kabs PolsterWelt” zu einem der führenden Polsterunternehmen im Norden Deutschlands entwickelt. Mit dem „House of Kabs” schlagen Sie nun ein neues Kapitel auf. Was unterscheidet es von Ihren klassischen Möbelhäusern?
Ich habe das Unternehmen 1992 übernommen, das ist also schon ein paar Tage her. Damals haben wir Polstermöbel noch in kleinem Rahmen verkauft. Hamburg ist unsere Heimat, wir fühlen uns der Stadt sehr verbunden.
Als die ehemalige „Wäscherei” (Anm. d. Red.: ein früheres Möbelhaus am gleichen Standort) Insolvenz anmeldete, fand ich das schade – es war ein tolles Haus. Wo findet man heute noch so eine große Fläche mitten in Hamburg, die sich als Möbelhaus nutzen lässt? Wir haben uns gefragt, ob die Stadt wirklich noch ein weiteres Möbelhaus wie unsere bisherigen braucht. Dabei fiel uns auf, dass es hier kein echtes Designhaus gibt – also keinen Ort, an dem man Möbel mit Stil und Geschmack findet, die nicht nur für die oberen Zehntausend gedacht sind. So entstand die Idee, ein Designhaus zu schaffen, das designaffine Kunden anspricht, aber für jedes Budget etwas bietet. Uns war wichtig, das Ganze stilvoll, aber zugleich locker und einladend zu gestalten.

Wie sieht dieses neue Konzept konkret aus?
Wir haben überlegt, wie man ein Möbelhaus heute moderner und innovativer denken kann und die Bereiche Interieur, Design und Kreativszene stärker miteinander vernetzt. Daraus sind viele Ideen entstanden: Zum Beispiel ein Do-it-yourself-Space mitten in der Ausstellung. Wie cool ist es, wenn Kunden hier vorbeilaufen und Menschen beim Töpfern oder Malen in einem Glaskasten zusehen – vielleicht bei einem Junggesellinnenabschied oder einer Weinprobe? Auch Innenarchitekten oder Influencer können sich einbuchen, ihre Kunden mitbringen und die wohnliche Atmosphäre samt Gastronomie nutzen.
Anfangs dachten wir an klassische Bilderausstellungen, wie sie in jedem Möbelhaus üblich sind. Das war uns aber zu langweilig. Stattdessen geben wir Künstlern – vor allem Hamburger Künstlern – eine Bühne und veranstalten regelmäßig Vernissagen.
Viele erinnern sich vielleicht noch an die Terrasse der alten „Wäscherei”: wohnlich eingerichtet, mit viel Grün, ein Ort zum Draußensitzen und Cocktailschlürfen im Sommer. Genau diese Atmosphäre wollen wir wiederbeleben. Außerdem vermieten wir künftig Flächen für Events. Wir planen auch eigene Veranstaltungen – Musik, Lesungen, Proben. Wir möchten Kreativität und Kultur miteinander verbinden, nicht einfach nur Möbel verkaufen.

Die erste Vernissage „Place to be” von David Friedemann ist noch bis zum 28. Oktober 2025 zu sehen. Was dürfen die Besucher danach erwarten?
Lassen Sie sich überraschen – die nächste Ausstellung wird spannend, mehr möchte ich noch nicht verraten. Parallel wollen wir den DIY-Bereich richtig ins Rollen bringen und die Gastronomie eröffnen, nach der viele schon fragen. Die werden wir nicht selbst betreiben, sondern an einen Profi übergeben.
Was waren die größten Herausforderungen bei der Umsetzung? Und würden Sie heute etwas anders machen?
Handel ist Wandel. Wir probieren vieles aus und lernen ständig dazu. Einige Ideen, wie den DIY-Raum, haben wir zwar umgesetzt, aber noch nicht voll genutzt. Wenn die ersten Kurse starten, werden wir sehen, wie sie angenommen werden. Läuft es gut, bauen wir das Konzept aus – wenn nicht, denken wir neu. Insgesamt sind wir sehr zufrieden: Die Kunden nehmen das Haus extrem positiv an und die Umsätze stimmen. Aber Stillstand gibt es bei uns nicht, hier wird sich noch einiges verändern. Es soll ja auch nicht langweilig werden!
Wir möchten Kreativität und Kultur miteinander verbinden, nicht einfach nur Möbel verkaufen.
Sie bieten auch Räume zur Nutzung an. Wie funktioniert das Prinzip?
Unsere „Spaces” können kostenlos von jedem genutzt werden, solange das Projekt etwas mit Kreativität, Interior oder Kunst zu tun hat. Selbst wenn ein Innenarchitekt hier mit Kunden arbeitet und Produkte anderer Marken anbietet, ist das völlig in Ordnung. Wir wollen einen zentralen Treffpunkt für Hamburgs Interior-Community schaffen, Synergien entstehen dann ganz von selbst.

Nachhaltigkeit ist in der Möbelbranche ein großes Thema. Wie gehen Sie damit um?
Wir arbeiten im Grunde schon seit 1969 nachhaltig, lange bevor das Thema in Mode kam. Beim Neukauf entsorgen wir auf Wunsch die alten Möbel, ab einem gewissen Auftragswert sogar kostenlos. Wenn die Stücke noch gut sind, vermitteln wir sie an soziale Einrichtungen oder verkaufen sie in unseren Second-Hand-Bereichen weiter, zum Selbstkostenpreis. Nachhaltiger geht es kaum.
Wir arbeiten ressourcenschonend, unsere Ausstellungen haben wir komplett auf LED umgestellt und optimieren unsere Liefertouren. Das alles ist für mich nachhaltiges Wirtschaften – aus Überzeugung, nicht als Marketingstrategie.
Werden alte Möbel auch aufbereitet oder upgecycelt?
Aktuell nicht, aber wir denken über kreative Ansätze nach. Warum nicht das Leder alter Sofas zu Handtaschen verarbeiten, vielleicht in Workshops im DIY-Raum? Ganze Möbel aufzuarbeiten lohnt sich oft nicht, weil Aufwand und Ressourcenverbrauch meist höher sind als bei neuen Stücken. Dann ist es auch nicht mehr wirklich nachhaltig.

Kritiker behaupten, stationäre Möbelhäuser hätten im digitalen Zeitalter keine Zukunft. Wie reagieren Sie darauf?
Wir setzen klar auf Omnichannel. Kunden sollen sich überall informieren und kaufen können, online wie offline. Aber mal ehrlich: Wer ein Bett für 4.000 Euro sucht, will es vorher probeliegen. Hochwertige Produkte, bei denen Haptik und Komfort zählen, werden auch künftig vor Ort gekauft. Einfachere Artikel wie Lampen oder Deko kauft man hingegen zunehmend online, bei Dekorationsartikeln liegt der Anteil inzwischen bei rund 50 Prozent.
Ich habe selbst die Suchmaschine „möbel.de”gegründet und kenne mich mit E-Commerce im Möbelhandel gut aus. Gerade im Bereich Sitzmöbel und Betten bleibt das Erleben vor Ort unverzichtbar. Egal, ob der Kunde hier im Haus bestellt oder bequem von zu Hause aus – vielleicht sogar mithilfe einer VR-Brille in Augmented Reality plant: All das wird kommen. Ich würde mich dann natürlich freuen, wenn er online bei uns bestellt.

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