
- 2 min.
- 16.02.2026
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Ausgabe
Online exclusive
Ort
Grindelwald, Schweiz
Fotografie
Jungfraubahnen / Jungfrau Region Tourismus AG / Merle Wilkening
An vielen Ecken der Jungfrau Region spürt man ihn noch: jenen kühnen Pioniergeist, der einst die Alpen erschloss. Doch wer heute nach Grindelwald reist, findet keinen Ort, an dem es um Sehen und Gesehenwerden geht – sondern eine Destination, die Authentizität und Heimatverbundenheit erlebbar macht. Ein Besuch im Schweizer Eigerdorf, wo die Berge die Hauptrolle spielen – und der Mensch sich respektvoll einfügt.
Wer sich auf den Weg in die Jungfrau Region macht, erlebt einen szenischen Start. Die rund drei Stunden Zugfahrt von Zürich nach Grindelwald sind selbst schon eine Reise wert. Die Strecke führt entlang von Seen, deren Namen zum Träumen anregen: Vierwaldstättersee, Sarnersee, Lungerersee und Brienzersee. Hinter ihnen entfaltet sich wie im schönsten Bilderbuch die Bergkulisse, während sich die Bahn stetig den Hang hinauf kämpft, immer höher, nach Grindelwald.
Angekommen im Bergdorf zeigt sich sofort, wer hier unwiderruflich der Hauptakteur ist: die majestätischen Felswände der Berner Alpen. Spektakulär ragt die Eiger-Nordwand über dem Dorf empor – ein Anblick, der unweigerlich Respekt abverlangt. Grindelwald selbst liegt auf 1034 Metern, wobei sich das Gemeindegebiet fast zur Hälfte im UNESCO-Weltnaturerbe Jungfrau-Aletsch befindet. Von hier blickt man auf das berühmte Dreigespann der Berge Eiger, Mönch und Jungfrau. In ihrem Angesicht spielt sich das beschauliche Dorfleben ab.
Grindelwald ist traditionell in sieben Bezirke, die sogenannten ‚Bergschaften‘, unterteilt – eine Struktur, die bis heute den starken Zusammenhalt der rund 4.000 Einwohner festigt. Die Hauptstraße führt vorbei an Hotels und Fachgeschäften für Outdoor-Ausrüstung. Man scheint sich hier nicht als schillernder Luxusort wie St. Moritz oder Kitzbühel zu positionieren – auch wenn die Dichte von inzwischen vier Michelin-Restaurants ein Indiz für einen hohen kulinarischen Anspruch ist.
Unter den Einheimischen scheint Einigkeit zu herrschen: Man möchte mit der Zeit gehen, aber den traditionellen Kern beibehalten. Nicht bloß Neues bauen, sondern bestehendes nutzen und aufwerten. So erzählt es Matthias Michel, der gemeinsam mit seinem Bruder Lars das Hotel Fiescherblick führt. Sie sind in Grindelwald aufgewachsen und führen die Hotelierserfahrung in vierter Generation fort.
Das Haus im Dorfteil “Hinter der Kirche” stand zwölf Jahre leer, bevor sie es 2022 mit persönlichem Twist wiedereröffneten. Das Fiescherblick wirkt modern, weniger verschnörkelt, dennoch “holzig” gemütlich – eher hygge statt klassischer Alpenhütte. Der skandinavische Einfluss liegt in der Familie: Der Vater stammt aus Dänemark, beide Brüder besitzen einen Schweizer sowie einen Dänischen Pass. Erst kürzlich haben die Familienunternehmer zudem eine kleine Bäckerei übernommen, hier warten frischgebackene Cardamom Buns nach dänischem Rezept.



Trifft man Menschen wie Ruedi, lernt man die Region wirklich zu verstehen. Der 65-Jährige ist ein echtes Schweizer Urgestein: silberner Zopf, sonnengegerbte Haut und ein mächtiger Schnurrbart. Er hat sein Leben lang im Bereich Ski und Tourismus gearbeitet und ist heute in seiner Pension weiterhin als Tourguide für die Jungfraubahnen tätig. Ist man mit ihm gemeinsam unterwegs, merkt man schnell: Er kennt hier jeden – und alle kennen ihn. Unzählige Abenteuer hat er hier erlebt, in Eis und Schnee, bei Sonnenschein und mitten im Gewitter. Nur zu gern erzählt er seine Anekdoten, mit lockerem, rollendem Schweizer R, über seine eindrucksvollsten Erlebnisse in den Bergen. Nicht selten führt er seine Gäste hoch hinauf zu einem der Höhepunkt der Region, zum Jungfraujoch.

Dort oben, auf 3454 Metern, wird der Beiname „Top of Europe“ zur Realität. Es ist der höchstgelegene Bahnhof Europas. Ein besonderer Ort, an dem man spürt, die Luft wird dünner und der Blick weiter. In nur 45 Minuten gelangt man vom modernen Grindelwald Terminal in die Welt aus ewigem Eis. Die Jungfraubahn selbst ist ein Pionierwerk und ein Meisterstück der Ingenieurskunst. Bereits 1896 starteten die Bauarbeiten nach den Plänen des Schweizer Visionärs Adolf Guyer-Zeller. Mit unvorstellbarem Aufwand trieben Bauarbeiter den Tunnel durch das Gestein von Eiger und Mönch. Guyer-Zeller selbst starb, bevor er das fertige Werk, das rund 16 Millionen Franken kostete, jemals sehen konnte.
Heute blickt man bei bestem Wetter von der Aussichtsplattform auf den Aletsch-Gletscher, den größten zusammenhängenden Gletscher der Alpen. Wer mag, kann tief in den Gletscher eintauchen und durch die Gänge des Eispalastes spazieren. Allein im Jahr 2024 besuchten über eine Million Menschen das Jungfraujoch. Es ist ein Ort der Extreme, der sogar als spektakulärer Austragungsort für internationale Fußball- oder Tennis-Matches diente und seit 1931 Europas höchste Forschungsstation beherbergt, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar ist.



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Doch die Region bietet weit mehr als nur den Blick in die Ferne. Die Jungfrau Ski Region erstreckt sich über die drei Skigebiete Grindelwald-Wengen, Grindelwald-First und Mürren-Schilthorn und umfasst 211 Kilometer Piste, 50 Kilometer Schlittelwege und 100 Kilometer Winterwanderwege vor der Kulisse des berühmten Dreigespanns. Hier findet sich die legendäre Lauberhorn-Rennstrecke ebenso wie Angebote für jene, die den Adrenalinkick suchen.
Eines der authentischsten Erlebnisse beginnt jedoch in der Abendstimmung, wenn die Sonne schon längst hinter den Gipfeln verschwunden ist. Am Busbahnhof im Dorf warten die gelben Busse, gewappnet mit schweren Schneeketten. In engen, verschneiten Serpentinen windet sich das Fahrzeug die Einbahnstraße hinauf auf die 1800 Meter hoch gelegene Bussalp. Oben angekommen, empfängt einen die wohlige Wärme einer gemütlichen Bergstube. Bei einem traditionellen Käsefondue rücken Gäste und Einheimische zusammen. Doch die Gemütlichkeit hat ein zeitliches Limit, das der Busfahrer bereits bei der Hinfahrt unmissverständlich, aber mit Humor klargemacht hat: „Wer zu spät kommt, geht zu Fuß“.
Die Rückkehr zum Sammelpunkt erfolgt nicht im Bus, sondern auf Kufen. Mit Stirnlampen bewaffnet, stürzt man sich auf Schlitten dem Tal entgegen. Wenn der Vollmond hell scheint, glitzert der Schnee, ansonsten vertraut man auf das Licht der Lampe und das eigene Gefühl für die Geschwindigkeit. Unten am Treffpunkt herrscht eine ausgelassene Stimmung. Das gemeinsame Adrenalin verbindet; es wird gejohlt, gelacht und sich später beim Busfahrer für die Rückreise bedankt. Es ist dieser Moment der Gemeinschaft, der zeigt: In Grindelwald ist man nicht nur zu Gast, man wird für eine Weile Teil dieser besonderen Welt im Angesicht der Drei- und Viertausender.



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