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- 24.08.2026
Berliner Wahl 2026: Die Immobilienpolitik der Parteien im Vergleich
Die Berliner Abgeordnetenhauswahl 2026 wird die Rahmenbedingungen für Wohnen, Bauen und Investitionen maßgeblich beeinflussen. Ein Überblick über die wichtigsten Positionen der Parteien.

Wohnen, Bauen und Stadtentwicklung gehören zu den zentralen Themen der Berliner Abgeordnetenhauswahl am 20. September 2026. Zwar sind sich die Parteien in einem Punkt weitgehend einig: Berlin braucht mehr Wohnraum. Bei der Frage, wie dieses Ziel erreicht werden soll und welche Rolle dabei Staat, private Investoren und die Immobilienwirtschaft spielen, liegen die Konzepte jedoch teilweise deutlich auseinander.
Wir haben die Wahlprogramme von CDU, SPD, Grünen, Linken, FDP und AfD gegenübergestellt und die wichtigsten Positionen zu Wohnungsbau, Mieten, Grundstücken, Eigentumsförderung, Genehmigungen und Investitionen zusammengefasst.
Inhaltsverzeichnis
CDU: Mehr bauen und den Weg ins Eigentum erleichtern
SPD: Viel Neubau, mehr öffentlicher Einfluss
Grüne: Günstiger bauen, stärker regulieren
Die Linke: Mehr Staat auf dem Wohnungsmarkt
FDP: Grundstücke mobilisieren, Regulierung zurückfahren
AfD: Weniger Vorgaben für Bau und Vermietung
Wo sich die Programme unterscheiden
CDU: Mehr bauen und den Weg ins Eigentum erleichtern
Die CDU will bis 2031 100.000 neue Wohnungen schaffen. Ein standardisiertes „Berlin-MFH“ mit Typenbauweisen soll schnelleres und günstigeres Bauen ermöglichen.
Ungenutzte Flächen und Gebäude sollen stärker aktiviert werden. Die CDU unterstützt eine Grundsteuer C für baureife Grundstücke und will Handelsimmobilien leichter für Wohn-, Büro- oder Kulturnutzungen öffnen. Zudem hält sie an einer Randbebauung des Tempelhofer Feldes fest.
Einen Schwerpunkt legt die Partei auf Wohneigentum. Beim erstmaligen Kauf einer selbstgenutzten Immobilie soll es einen Eigentumsbonus von 10.000 Euro je Erwachsenen und 5.000 Euro je Kind geben. Dazu kommen steuerliche Erleichterungen und Mietkaufmodelle.
Grundsätzlich soll die Rolle privaten Investoren gestärkt werden. Enteignung wird strikt abgelehnt.
SPD: Viel Neubau, mehr öffentlicher Einfluss
Auch die SPD setzt sich 100.000 neue Wohnungen bis 2031 zum Ziel. Mehr als die Hälfte des Neubaus soll bei landeseigenen Gesellschaften, Genossenschaften und anderen gemeinwohlorientierten Akteuren entstehen.
Für private Projekte sollen zugleich strengere Vorgaben gelten. Beim kooperativen Baulandmodell will die SPD die Sozialwohnungsquote von 30 auf 50 Prozent erhöhen. Bauen soll unter anderem durch einfachere Verfahren, den Gebäudetyp E und schnellere Bebauungspläne beschleunigt werden. Büroumbauten, Aufstockungen und bislang wenig genutzte Grundstücke spielen ebenfalls eine Rolle.
Bei Mieten setzt die SPD auf stärkere Kontrolle. Eine neue Mietenaufsicht soll Verstöße verfolgen und sanktionieren. Außerdem setzt sich die Partei für einen rechtssicheren Mietendeckel und strengere Regeln bei Indexmieten ein.
Grüne: Günstiger bauen, stärker regulieren
Die Grünen benennen hohe Baukosten und teilweise zu hohe Baustandards ausdrücklich als Hemmnis. Typengenehmigungen, digitale Bauanträge und kostengünstigere Standards sollen Neubau und Umbauten erleichtern.
Gleichzeitig wollen sie den Wohnungsmarkt stärker regulieren. Vermieter mit mehr als 50 Wohnungen sollen über ein „Bezahlbare-Mieten-Gesetz“ unter anderem zu bezahlbaren Wohnungsanteilen und Instandhaltungsrücklagen verpflichtet werden. Bei Verstößen sind weitreichende Sanktionen vorgesehen.
Auch Gewerbeimmobilien nimmt das Programm in den Blick. Steigende Gewerbemieten sieht die Partei als Gefahr für kleine Geschäfte, lokale Dienstleister sowie soziale und kulturelle Einrichtungen. Landeseigener Boden soll stärker dem gemeinwohlorientierten Wohnungsbau dienen.
Die Linke: Mehr Staat auf dem Wohnungsmarkt
Die Linke setzt am stärksten auf eine öffentliche Steuerung des Wohnungsmarktes. Für landeseigene Wohnungen soll zunächst ein einjähriger Mietendeckel gelten, anschließend sollen die Mieten höchstens um ein Prozent pro Jahr steigen. Für den kommunalen Wohnungsbau sieht die Partei bis zu zwei Milliarden Euro jährlich vor.
Zentraler Bestandteil der geplanten Wohnungspolitik ist die Enteignung privater Bestandshalter. Landeseigene Grundstücke sollen dauerhaft in öffentlicher Hand bleiben.
Auch Gewerbeflächen gehören zur Stadtentwicklungspolitik der Partei. Kleine Unternehmen und Handwerksbetriebe sollen stärker vor Verdrängung geschützt und kommunale Gewerbehöfe ausgebaut werden.
FDP: Grundstücke mobilisieren, Regulierung zurückfahren
Die FDP setzt stark auf private Investitionen. Mietendeckel und Vergesellschaftung lehnt sie ab, auch die Mietpreisbremse will sie beenden.
Mehr gebaut werden soll durch Nachverdichtung, höhere Gebäude, Dachaufstockungen und eine leichtere Umwandlung leerstehender Gewerbe-, Büro- und Ladenflächen in Wohnungen.
Deutlich unterscheidet sich die FDP bei der Bodenpolitik von den linken Parteien: Landeseigene Baugrundstücke sollen wieder am Markt vergeben werden, wobei der Grundstückswert anhand des Höchstgebots ermittelt werden soll. Baugruppen, Genossenschaften und private Selbstnutzer sollen beim Erwerb über die IBB unterstützt werden.
AfD: Weniger Vorgaben für Bau und Vermietung
Die AfD will Investitionen durch weniger Regulierung, einfachere Genehmigungen und niedrigere energetische Anforderungen erleichtern. Enteignungen lehnt sie ab, bestehende Vorgaben in Milieuschutzgebieten möchte sie lockern.
Bei der Förderung setzt sie stärker auf Mietzuschüsse für Haushalte mit niedrigen Einkommen und will die Grundsteuer abschaffen. Wohneigentum soll über steuerliche Entlastungen und Bürgschaften gefördert werden.
Für geförderten Wohnraum schlägt die AfD zudem ein Punktesystem vor, bei dem unter anderem die Dauer des Wohnsitzes in Berlin berücksichtigt werden soll.
Wo sich die Programme unterscheiden
Beim Ziel, mehr Wohnraum zu schaffen, liegen die Parteien näher beieinander, als die politische Debatte oft vermuten lässt. Fast alle wollen schneller bauen, Genehmigungsverfahren beschleunigen und zusätzliche Flächen für den Wohnungsbau erschließen.
Die größten Unterschiede beginnen dort, wo es um die Rolle des Staates geht. CDU und FDP setzen stärker auf private Investitionen, Eigentumsbildung, Flächenaktivierung und die Schaffung wirtschaftlicher Anreize für Neubau. SPD, Grüne und insbesondere Die Linke verfolgen einen anderen Ansatz: Sie wollen den Wohnungsmarkt stärker regulieren und die Rolle öffentlicher oder gemeinwohlorientierter Akteure ausbauen. Der zentrale Punkt der Linken ist die Enteignung privater Wohnungseigentümer.
Hinweis der Redaktion
Dieses Dossier dient der Information und Einordnung wohnungs-, wirtschafts- und stadtentwicklungspolitischer Themen im Zusammenhang mit den Berliner Wahlen 2026. Die dargestellten Inhalte, Analysen und Einschätzungen erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit und stellen weder eine Wahlempfehlung noch eine Unterstützung einzelner Parteien, Kandidatinnen oder Kandidaten dar. Ziel ist die sachliche Darstellung und Einordnung politischer Positionen sowie ihrer möglichen Auswirkungen auf den Berliner Immobilienmarkt und den Wirtschaftsstandort Berlin.
