• 5 min. Lesezeit
  • 28.05.2026
  • von Engel & Völkers Commercial Berlin

Immobilienfinanzierung 2026: Nicht der Zins bremst den Deal, sondern der Prozess

Wer heute noch wie vor fünf Jahren finanziert, riskiert das Scheitern seiner Deals.

A person in a white shirt uses a calculator and holds a pen, with documents and a notebook on the desk.

Wenn Finanzierungen nicht zustande kommen, wird häufig zuerst auf das Zinsniveau verwiesen. Dahinter bleiben weitere Bremsfaktoren im Alltagsdiskurs unsichtbar. Eine aktuelle Expertenrunde hat gezeigt: Es sind nicht primär die Zinsen, die Deals ausbremsen.

Ausschlaggebend sind die gestiegenen Anforderungen der Banken und zunehmend digitalisierte Prüfprozesse, einschließlich des Einsatzes künstlicher Intelligenz.

Wir haben die wichtigsten Erkenntnisse aus der Praxis für Sie zusammengefasst.

Inhaltsverzeichnis

  1. Das Regionalprinzip als Stolperfalle

  2. Die Ära des persönlichen Ermessensspielraums ist vorbei

  3. Unterlagen: Die Tücke des Details

  4. Die Timeline: Geduld als strategische Notwendigkeit

  5. Sonderfall: Aufteiler-Projekte

  6. Qualität in der Planung entscheidet

Das Regionalprinzip als Stolperfalle

Viele Kreditnehmer wenden sich instinktiv an ihre lokale Sparkasse oder Volksbank. Der persönliche Kontakt zum bekannten Berater vermittelt ein Gefühl der Sicherheit. Ebendies kann sich als Falle erweisen.

Viele regionale Institute stehen aufgrund regulatorischer Vorgaben und bilanzieller Bewertungsanpassungen derzeit unter erhöhtem Druck. Aufgrund gesunkener Immobilienmarktwerte sind sie gezwungen, ihren Deckungsstock anzupassen. Die Risiken in ihren Büchern sind signifikant gestiegen, was die Neuvergabe von Krediten erheblich erschwert, in vielen Fällen sogar verunmöglicht.

Hinzu kommt ein strukturelles Defizit: Regionale Banken weisen ein deutlich geringeres Diversifikationsniveau auf. Wer ausschließlich regional finanziert, konzentriert das Risiko auf einen einzigen Markt. Überregionale, diversifizierte Institute hingegen arbeiten mit gestreuten Portfolios, vergleichbar einem ETF. Die Schwäche einer einzelnen Region kann durch Stärken anderer Regionen kompensiert werden. Das verleiht diesen Banken eine höhere Krisenresistenz.

Auch in angespannten Marktphasen bleiben sie kreditfähig. Es empfiehlt sich daher, bei jeder Finanzierung mindestens ein überregionales Kreditinstitut als Alternativpartner einzubeziehen.

Die Ära des persönlichen Ermessensspielraums ist vorbei

Bankberater sind heute nur noch selten in der Lage, individuell auf Kundenwünsche einzugehen oder Bewertungen flexibel zu handhaben.

Für Eigentümer und Investoren bedeutet das: Schon kleine Unvollständigkeiten in den Unterlagen, etwa eine fehlende Unterschrift, wirken sich direkt negativ auf die Bewertung aus und können zu Ratingabschlägen führen.

Digitale Einreichungen werden bevorzugt und häufig günstiger bepreist. Analoge Einreichungen führen hingegen oft zu Mehrkosten. Gleichzeitig prüfen Systeme die Vollständigkeit der Unterlagen, sodass bereits kleine Lücken unmittelbar zu einem schlechteren Rating führen.

Über den Erfolg einer Finanzierungsanfrage entscheiden vier klar definierte Bewertungskriterien:

  1. Die Bonität der natürlichen Person (Einkommen, Schufa, Zahlungshistorie).

  2. Das Rating des Unternehmens (bei Gewerbe- oder GmbH-Strukturen).

  3. Das Objektrating (Lage, Zustand, Drittverwendungsfähigkeit).

  4. Die Energieeffizienzklasse (ESG) als neues, erfolgskritisches Kriterium.

Unterlagen: Die Tücke des Details

Ein Sachverständiger erhält häufig Dokumente, die dem Käufer selbst nie vorliegen. Hier lauern versteckte Risiken, die für den Käufer nicht erkennbar sind.

Fehlt ein gestempelter Architektenplan des zuständigen Bauamts, weicht der Maßstab von 1:100 ab, sind Baupläne nicht unterzeichnet, fehlen genehmigte Änderungsnachweise, sind Brandschutzkonzepte lückenhaft oder stimmen Energieeffizienznachweise nicht mit der übrigen Dokumentation überein, dann kalkuliert der Gutachter automatisch einen Sicherheitsabschlag ein, den er für das erhöhte Risiko gewährt. Das mindert den Beleihungswert substanziell, oft um mehrere tausend Euro.

Die Finanzierungssumme wird entsprechend nach unten korrigiert. Im ungünstigsten Fall erhält der Käufer deutlich schlechtere Konditionen, muss mehr Eigenkapital aufbringen oder die Finanzierung wird gänzlich versagt.

Von entscheidender Bedeutung ist zudem die Aktualität der eingereichten Unterlagen:

  1. Grundbuchauszug: maximal sechs Monate.

  2. Energieausweis: maximal zwölf Monate.

  3. Bonitätsunterlagen: maximal 24 Monate.

Bei Objekten mit Gewerbeanteilen gelten strengere Auflagen, die von den Kreditinstituten mittlerweile konsequent durchgesetzt werden. Viele Banken schließen Büroflächen in Berlin aktuell aus oder finanzieren sie nur noch in Ausnahmefällen. Die Leerstandsquoten sind dort hoch, die Mietpreise gefallen. Das Marktungleichgewicht ist zu ausgeprägt.

Systemrelevante Mieter wie Ärzte, Apotheken, Lebensmitteleinzelhandel oder Lebensmittellogistik werden hingegen bevorzugt behandelt. Sie gelten als krisenresistent. Selbst in wirtschaftlich angespannten Zeiten kündigen sie nicht vorschnell, was für die Banken ein deutlich geringeres Risiko darstellt.

Die Timeline: Geduld als strategische Notwendigkeit

Eine Finanzierung binnen vier Wochen zu realisieren, ist heute praktisch ausgeschlossen. Stattdessen ist ein Zeitraum von mindestens acht Wochen zu veranschlagen.

Bereits die Erstellung des Gutachtens durch einen externen Sachverständigen beansprucht zwei bis drei Wochen. Die interne Plausibilisierung durch die Bank erfordert weitere zwei bis vier Wochen, da mehrere Abteilungen eingebunden werden, das Gutachten auf Vollständigkeit geprüft, die Zahlen nachgerechnet und gegebenenfalls ein zweites Gutachten angefordert wird. Bei Zinshäusern schreibt der Gesetzgeber zudem die Besichtigung von mindestens zwei Wohneinheiten zwingend vor.

Die Terminabstimmung mit den Mietparteien, die physische Präsenz des Gutachters vor Ort sowie die anschließende Dokumentation und Berichterstattung beanspruchen ebenfalls einen nicht unerheblichen Zeitraum. Werden Mängel festgestellt, kommen Nachforderungen von Unterlagen und gegebenenfalls Nachbesserungen hinzu.

Sonderfall: Aufteiler-Projekte

Wer eine Immobilie erwirbt, um sie in rechtlich selbständige Wohnungseigentumseinheiten aufzuteilen und anschließend gewinnbringend zu veräußern, muss mit signifikant restriktiveren Konditionen rechnen.

Die Zinssätze liegen in der Regel zwischen 1,5 und 2 Prozentpunkten über dem Standardniveau für konventionelle Wohneigentumsfinanzierungen. Diese Risikoprämie resultiert aus der Einstufung des Geschäftsmodells als erhöht risikobehaftet durch die kreditgebenden Institute.

Der wirtschaftliche Erfolg eines solchen Vorhabens hängt von mehreren, nur bedingt kontrollierbaren Faktoren ab: der behördlichen Genehmigung der Teilung durch die zuständige Gemeinde, der tatsächlichen Vermarktbarkeit der einzelnen Wohnungseinheiten zu den kalkulierten Preisen, der Dauer des gesamten Veräußerungsprozesses sowie möglichen Komplikationen bei den Einzelverkäufen.

Hinzu kommt eine vertragliche Auflage der meisten Banken, wonach sämtliche Verkaufserlöse, in der Regel zu 100 Prozent, unmittelbar zur Tilgung des Darlehens abzuführen sind, bis etwa 70 Prozent der ursprünglichen Darlehenssumme zurückgeführt wurden. Dies bedeutet faktisch, dass jeder Einzelverkaufserlös direkt an das Kreditinstitut weitergeleitet werden muss und dem Käufer nicht für anderweitige Investitionen oder Liquiditätsreserven zur Verfügung steht.

Qualität in der Planung entscheidet

Die Immobilienfinanzierung hat sich fundamental gewandelt. Eine professionelle Vorbereitung entscheidet heute maßgeblich über den Erfolg einer Transaktion. Sämtliche Unterlagen müssen banken- und KI-konform aufbereitet werden, um den automatisierten Prüfprozessen standzuhalten. Auch die Zusammenarbeit mit spezialisierten Finanzierungsvermittlern kann in diesem Zusammenhang hilfreich sein.

Während Makler traditionell die Funktion übernehmen, Immobilie und Käufer zusammenzuführen, scheitern Transaktionen ohne fachkundige finanzierungsseitige Begleitung nicht selten bereits im Vorfeld bei der Kreditprüfung. Ein professioneller Finanzierungsvermittler gewährleistet, dass die eingereichten Unterlagen den aktuellen Anforderungsprofilen der Kreditinstitute entsprechen und von den eingesetzten Algorithmen positiv bewertet werden.

In dieser Marktphase entscheidet Vorbereitung über Abschluss oder Abbruch.

Anbieter kontaktieren

Engel & Völkers Berlin Commercial

Seiteninhalt bereitgestellt durch: Engel & Völkers Gewerbe Berlin GmbH & Co. KG

Lizenzpartner der Engel & Völkers Commercial GmbH

+49-30-20346-0