• 4 min. Lesezeit
  • 05.03.2026
  • von Merle Wilkening

Kunst auf dem Boden – Teppiche von cc-tapis

Eine Person betrachtet farbenfrohe abstrakte Kunstwerke an einer weißen Wand in einer Galerie, wobei ähnliche Kunstwerke auf dem Boden ausgestellt sind.
Foto von: Olly Geary
  • Ausgabe

    02/26

  • Ort

    Mailand, Italien

  • Fotografie

    cc-tapis

Die Mailänder Teppichmarke cc-tapis fusioniert jahrhundertealte Tradition mit moderner Ästhetik. In Ateliers in Nepal und Indien von Hand geknüpft, tragen die Teppiche in jedem Faden die Lebendigkeit und kulturelle Tiefe des Unternehmens.

Inhaltsverzeichnis

  1. Ursprung und Identität

  2. Handwerk und Produktion

  3. Materialien und Nachhaltigkeit

  4. Design, Kreativität und Zusammenarbeit

  5. Innovation und Zukunft

  6. Persönliches und Inspiration

Ein moderner rechteckiger Tisch, der mit blauem, zotteligem Stoff bezogen ist, umgeben von minimalistischen weißen Hockern in einem Betonraum.
Wo fängt ein Teppich an, wo hört er auf? Die Designs von cc-tapis sind ein Stück gelebte Kultur, das den Raum prägt. Foto: Luca Caizzi

Ursprung und Identität

cc-tapis entstand aus einer Geschichte von Freundschaft, Liebe und Zusammenarbeit. Wie hat diese persönliche Dynamik die DNA des Unternehmens geprägt?
Fabrizio Cantoni: Ihre Frage enthält bereits den Kern der Antwort. cc-tapis wurde aus einer zutiefst persönlichen Geschichte geboren – einem gemeinsamen Abenteuer zwischen meiner Frau und mir. Sie ist persischer Herkunft. Die Verbindung zu Teppichen liegt ihr quasi im Blut. Ich komme aus dem Hospitality-Bereich in den italienischen Alpen – eine Welt, die auf den ersten Blick kaum weiter vom Teppichhandwerk entfernt sein könnte. Und doch kreuzten sich unsere Wege auf ganz natürliche Weise.
Schon bald kam Freundschaft ins Spiel, durch Daniele, unseren dritten Partner. Dieses Gefühl von Leichtigkeit, Vertrauen und Zusammenarbeit wurde zum Fundament von cc-tapis. Von Anfang an trug das Unternehmen diese menschliche Energie in sich – eine Mischung aus Liebe, Freundschaft und Neugier. Und ich glaube, genau dieser Geist prägt uns bis heute.

Was war der ursprüngliche Impuls, cc-tapis zu gründen – und wie hat sich die Marke von ihren Anfängen in Frankreich bis zum heutigen Standort in Mailand entwickelt?
Ich bin fest davon überzeugt, dass unser Leben in gewisser Weise einem vorgegebenen Verlauf folgt – ein Gedanke, der von meinem Schwiegervater stammt und tief in der persischen Kultur verwurzelt ist. Sie lehrt, dass das Leben einen Weg bereithält, auch wenn man hart arbeiten muss, um ihm zu folgen.
Obwohl ich im Hospitality-Bereich aufgewachsen bin, fühlte ich mich immer stark zur Welt von Architektur und Design hingezogen, in der ich Autodidakt bin. Die Hotelbranche ist ein wunderbares Feld, stand für mich jedoch oft im Konflikt mit dem Familienleben. Als Hoteliers war es für Nelcya und mich schwierig, die Art von Familienleben aufzubauen, die wir uns wünschten. Also beschlossen wir, unseren Weg zu ändern.
Ursprünglich wollten wir in New York ein italienisch-französisches Feinkostgeschäft eröffnen – doch stattdessen wurde es ein Teppichgeschäft in Straßburg, gemeinsam mit Nelcyas Vater, dessen Unternehmen bis ins Jahr 1943 zurückreicht. Diese Zeit in Straßburg weckte in uns den Wunsch, „eine neue Sprache zu sprechen“, ohne die Tradition des handgeknüpften Teppichs zu verlieren.
Seitdem hat sich das Unternehmen enorm weiterentwickelt, aber unser Drang danach, Teppiche zu schaffen, die verschiedene Sprachen sprechen, ist unverändert geblieben. Experimentierfreude war von Beginn an Teil unserer DNA – und sie inspiriert uns bis heute.

Der Name „cc-tapis“ ist heute weltweit bekannt. Was bedeutet er Ihnen persönlich?
In den vergangenen fünfzehn Jahren war alles, was wir erreicht haben, das Ergebnis echter Teamarbeit – ein kollektiver Einsatz, möglich durch die Hingabe, Leidenschaft und Kreativität aller Beteiligten.
Natürlich erfüllt es mich mit Stolz – und, ehrlich gesagt, mit Staunen –, zu sehen, wie weit die Marke gekommen ist und wie international sie heute erkannt wird. Das war nie etwas, das wir geplant oder erwartet hätten.
Am meisten liebe ich jedoch, dass cc-tapis zu einer Plattform geworden ist, die es mir ermöglicht, mit einigen der inspirierendsten kreativen Köpfe unserer Zeit in Austausch zu treten. Jede Zusammenarbeit, jedes Gespräch fügt unserer Geschichte eine neue Schicht hinzu – und genau das ist für mich der schönste Teil.

Person in a light blue suit, smiling with arms crossed, stands beside a small purple astronaut sculpture. White curtains in the background.
Fabrizio Cantoni gründete cc-tapis gemeinsam mit seiner Frau Nelcya. Freund Daniele Lora komplettiert das Unternehmer-Trio. Foto: Simon171

Handwerk und Produktion

Für cc-tapis ist Handwerk kein Stil, sondern ein essenzieller Wert. Wie würden Sie Ihre Philosophie hinter handgefertigter Produktion beschreiben?
Vor einigen Jahren, zu Beginn unserer Reise, fragte mich ein Journalist, welchen Stil cc-tapis habe. Ich erinnere mich, dass ich – ganz instinktiv – antwortete: Wir haben eigentlich keinen Stil. Wir sind keine Lifestyle-Marke, die eine einheitliche Ästhetik für Sofas, Tische oder Stühle schaffen muss. Wir sind eine Monoprodukt-Marke: Wir machen ausschließlich Teppiche. Und ich glaube, unser wahrer Stil liegt genau darin, wie wir sie herstellen.
Bei jedem Projekt wird die Technik – immer handgefertigt – zu unserer Art, das Design zu interpretieren, zu unserer persönlichen Signatur. Jeder Prozess verändert sich, weil jede Geste, jeder Kunsthandwerker, jede Faser etwas Einzigartiges entstehen lässt. Das ist die Schönheit des Handwerks: Es ist niemals identisch, es lebt.
Ich persönlich mag keine Teppiche, die einfach flach auf dem Boden liegen. Wir arbeiten mit Farben, Fasern, Knüpfmethoden, Finishes – einem ganzen Vokabular aus Gesten und Materialien, das jedem Teppich seine eigene Identität verleiht. Darin liegt für mich das Wesen des Handwerks: in der beständigen Experimentierfreude und im Dialog zwischen Tradition und Kreativität, der unsere Arbeit definiert.

Sie produzieren in Nepal, Indien und Mailand. Wie unterscheiden sich die handwerklichen Traditionen dieser Orte – und was lernen Sie aus jedem Kontext?
cc-tapis wurde ausschließlich mit der tibetischen Handknüpftechnik gegründet, die in unseren eigenen Produktionsstätten in Kathmandu ausgeführt wird. Dort zu arbeiten – gemeinsam mit unserem nepalesischen Partner, mit dem wir cc-tapis Nepal Pvt. Ltd. gegründet haben – erlaubt uns, jeden einzelnen Schritt der Teppichproduktion zu experimentieren und zu verinnerlichen. Wir beziehen die Fasern lokal, färben sie, führen das Knüpfen aus und übernehmen alle Finishes im eigenen Haus. So können wir jede Phase direkt kontrollieren und höchste Qualität gewährleisten.
In Indien ist unser Ansatz ein ganz anderer. Die Vielfalt handwerklicher Techniken dort ist wirklich einzigartig – man denke an Chain Stitch, Dhurrie-Flachgewebe, Pit Looms, Handstickerei oder Handloom-Weberei. Als wir 2024 unsere Ready to Buy-Kollektionen auf den Markt brachten, ordneten wir jedem Projekt eine bestimmte Produktionstechnik zu. Dann begaben wir uns auf eine Art Grand Tour durch den Norden des Landes, um die Dörfer zu finden, in denen jede Technik auf ihrem höchsten Niveau ausgeführt wird.
Mailand ist wiederum eine völlig andere Geschichte. Hier wollten wir ein echtes „Made in Milan“-Produkt schaffen. Es geht nicht um Handwerk im traditionellen Sinne, sondern um eine lokale Produktion – ein Produkt mit ‘kilometro zero’. Unsere Prototyping-Maschine ermöglicht uns, Einzelstücke für Installationen und maßgeschneiderte Projekte zu entwickeln.

Zeit spielt im Handwerk eine große Rolle. Wie vermitteln Sie internationalen Kunden den Wert von Zeit und Langsamkeit?
Ihre Frage trifft ins Schwarze. In wenigen Tagen werden wir ein bewegtes Bildprojekt veröffentlichen (Anm. d. Red.: siehe unten), inszeniert von Lorenzo Gironi, das wir in Nepal und Ladakh gedreht haben – ein Versuch, diese Menschen, diese Landschaften und diese Kultur so treu und authentisch wie möglich zu zeigen. Es ist unser Weg zu vermitteln, dass hinter jedem Teppich ein Lebensrhythmus steckt, der sich nicht beschleunigen lässt.
Für uns ist Zeit nicht einfach ein Produktionsfaktor – sie ist ein Maß für Qualität, Sorgfalt und Menschlichkeit. Man kann, und sollte, den Knüpfprozess nicht beschleunigen. Jeder Knoten braucht seine Zeit, gelenkt durch die Hände des Kunsthandwerkers, durch seinen Atem, seine Konzentration. In diesen Rhythmus einzugreifen würde bedeuten, die Seele unserer Arbeit zu verlieren.
Natürlich arbeiten wir intensiv daran, alles rund um den handwerklichen Prozess zu optimieren – wir haben die Schritte vor und nach dem Knüpfen standardisiert, um Effizienz und Lieferzeiten zu verbessern. Aber der Akt des Handknüpfens selbst bleibt heilig. Er folgt seinem eigenen Tempo – langsam, geduldig, zutiefst menschlich –, und genau diese Langsamkeit verleiht jedem Teppich seinen Wert, seine Schönheit und seine Zeitlosigkeit.

Video: cc-tapis / Directed by Lorenzo Gironi

Materialien und Nachhaltigkeit

Sie arbeiten mit Himalayawolle, reiner Seide und Leinen, aber auch mit regenerierten Fasern. Wie balancieren Sie Tradition und Innovation bei der Materialwahl?
Die Wahl der Fasern ist immer direkt mit der Technik verbunden, die wir verwenden. Für unsere handgeknüpften Teppiche arbeiten wir ausschließlich mit natürlichen Materialien wie Himalayawolle, reiner Seide, Leinen, Hanf, Brennnessel oder Jute. Diese Fasern besitzen eine Art Noblesse: Sie altern wunderschön, werden mit der Zeit weicher und sorgen dafür, dass ein Teppich ein Leben lang halten kann. Wenn ein Objekt dafür gemacht ist, zu bestehen, verdient es nur die besten Materialien.
Der Ansatz verändert sich, wenn wir für die Contract-Welt gestalten – also für Hospitality- oder Retail-Projekte –, wo ein Teppich naturgemäß eine kürzere Lebensdauer hat. In diesen Fällen wählen wir regenerierte Fasern, die es ermöglichen, das Stück am Ende seines Gebrauchs zu recyceln. Das ist unser Weg, eine stärker kreislauffähige Ökonomie zu fördern, in der Schönheit nicht auf Kosten von Verantwortung entsteht.
Für mich ist diese Balance aus Tradition und Innovation essenziell: Es geht darum, alte Techniken zu ehren und gleichzeitig neugierig zu bleiben, zu experimentieren und neue Wege zu finden, in unserer heutigen Welt nachhaltig zu produzieren.

Wie stellen Sie sicher, dass Materialien lokal und ethisch bezogen werden – und was bedeutet „lokal“ in einem globalen Produktionsnetzwerk?
Für uns bedeutet „lokal“, so nah wie möglich am Ursprung unseres Handwerks zu bleiben – an den Orten, Materialien und Menschen, die diese Tradition lebendig halten. Unsere Wolle ist Himalayawolle, nicht importiert aus Neuseeland, zum Beispiel. Unsere Seide kommt aus Indien oder China, also aus Regionen, die seit Jahrhunderten eine tiefe Textilexpertise besitzen. Alle anderen Fasern beziehen und verarbeiten wir innerhalb desselben geografischen Gebiets, in dem auch der jeweilige Teppich gefertigt wird.
Uns ist vollkommen bewusst, dass die weltweite Distribution unserer Teppiche bereits einen ökologischen Fußabdruck hat. Deshalb arbeiten wir kontinuierlich daran, diesen zu reduzieren – unter anderem, indem wir den unnötigen Transport von Rohstoffen über Kontinente hinweg vermeiden und die gesamte Produktionskette so nah wie möglich bei ihren Wurzeln belassen.
Seit 2022 sind wir stolz darauf, unsere Lieferungen vollständig CO₂-neutral zu gestalten – ein kleiner, aber signifikanter Schritt hin zu einem verantwortungsvolleren Arbeiten. Für uns ist Nachhaltigkeit kein Slogan, sondern eine tägliche Übung im Bewusstsein – ein kontinuierliches Bemühen, Entscheidungen zu treffen, die sowohl den Planeten als auch die Menschen respektieren, die jeden Teppich möglich machen.

cc-tapis verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz in puncto Nachhaltigkeit – ökologisch, sozial und wirtschaftlich. Wie übersetzen Sie diese Verantwortung in konkrete Maßnahmen?
Wir haben das große Glück, dass unser Produkt von Natur aus nachhaltig ist. Ein handgeknüpfter Teppich ist dafür gemacht, lange zu bestehen – er kann gewaschen, repariert und über Generationen weitergegeben werden. Er ist kein Objekt, das man einfach wegwirft.
Was wir versuchen, ist, an all den anderen Aspekten unseres Handelns zu arbeiten, um sicherzustellen, dass die Ethik unseres Unternehmens mit dem Produkt übereinstimmt, das wir schaffen. Zum Beispiel verwenden wir beim Finishing unserer Teppiche keine Säuren; wir beziehen Materialien lokal, wo immer es möglich ist; und wir kompensieren unseren CO₂-Fußabdruck für alle Lieferungen. Außerdem haben wir unsere Verpackung überdacht – und ein spezielles Gewebe entwickelt, das aus weggeworfener Kleidung der Fast-Fashion-Industrie besteht und nun unsere Teppiche schützt.
Im Bereich der sozialen Nachhaltigkeit haben wir unsere eigene NGO gegründet: cc-for education, deren Mission es ist, den Kindern unserer Weber eine angemessene Schulbildung zu ermöglichen.
Ich weiß, das alles mag wie ein Tropfen auf den heißen Stein wirken, aber für uns ist es ein aufrichtiges Bemühen, den Menschen und Gemeinschaften etwas zurückzugeben, die unsere Arbeit möglich machen.

Farbenfroher geometrischer Teppich mit abstrakten Kaleidoskopmustern in Rot, Blau, Violett und Rosa auf hellbeigem Boden.
Der Teppich Soft Wood von Bethan Laura Wood erinnert an ein Kaleidoskop. Foto: Simon171

Design, Kreativität und Zusammenarbeit

Viele Ihrer Kollektionen entstehen in Zusammenarbeit mit internationalen Designern. Wie entscheiden Sie, mit wem Sie zusammenarbeiten?
Als wir 2011 mit cc-tapis begannen, entstand alles im eigenen Haus. Es war, als müssten wir erst verstehen, wer wir sind, und unsere eigene Sprache definieren, bevor wir uns für Kollaborationen öffneten.
Mailand, diese wunderbare Stadt, bot uns unzählige Möglichkeiten, sobald wir bereit waren – und eine der ersten Designerinnen, mit denen wir arbeiteten, war Patricia Urquiola. Seitdem sind Kollaborationen ein integraler Bestandteil von cc-tapis.
Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, dahinter stecke eine Marketingstrategie – alles entsteht aus Instinkt, aus dem Bauch heraus. Genauso wählen wir unsere Kollaborateure. Ein Beispiel: Nachdem wir in London in Martino Gampers Küche an unserem ersten gemeinsamen Projekt arbeiteten, sagte uns seine Frau, Francis Upritchard, dass wir unbedingt eine Freundin von ihnen treffen müssten. Diese Freundin war Bethan Laura Wood – heute eine enge Freundin, mit der wir bereits fünf Kollektionen realisiert haben.
Wir verfolgen einen bewusst unorthodoxen Ansatz: Neben großen Stars der Designszene arbeiten wir auch mit Studenten, Künstlern, Stylisten, Architekten zusammen – mit jedem, der etwas zu sagen hat und dessen Vision sich durch die Sprache von cc-tapis ausdrücken lässt.
Es ist lustig – auch nach all den Jahren fühle ich mich immer noch wie ein „Groupie“, wenn ich Menschen begegne, deren Denkweise mich fasziniert.

Was macht eine Zusammenarbeit wirklich erfolgreich – und woran erkennen Sie kreative Chemie?
Wenn wir darüber sprechen, was eine Zusammenarbeit erfolgreich macht, ist es wichtig, den Begriff „Erfolg“ selbst zu hinterfragen. Natürlich sind wir eine kommerzielle Marke und müssen verkaufen, um uns zu tragen. Aber für mich ist ein Projekt dann wirklich erfolgreich, wenn der Teppich eine neue Sprache spricht – wenn wir es schaffen, die Essenz einer kreativen Vision durch unser Handwerk zu übersetzen und dabei die Grenzen dessen erweitern, was handgeknüpfte Teppiche ausdrücken können.
Ich fühle mich unglaublich glücklich, denn im Laufe der Jahre haben wir mit allen Kreativen, mit denen wir gearbeitet haben, echte, dauerhafte Beziehungen aufgebaut. Es gibt einen gemeinsamen Respekt und eine Neugier, die den Dialog lebendig hält. Ehrlich gesagt, könnte ich keinen Teppich mit jemandem entwerfen, den ich nicht mag – Zusammenarbeit ist für mich ebenso sehr ein Akt des Vertrauens und der Empathie wie des Designs.

Welches Projekt oder welche Kollektion hat Sie persönlich am meisten überrascht oder berührt?
Ich kann nicht sagen, dass ich ein Lieblingsprojekt habe – sie sind alle meine Babys (lacht). Jedes ist anders, mit seiner eigenen Geschichte, seinem eigenen Charakter, und irgendwann findet es den Raum, der am besten zu ihm passt.
Jeder Teppich trägt die Erinnerung an eine Reise in sich: die Gespräche mit dem Designer, die Hände der Kunsthandwerker, die Experimente, die Herausforderungen, die kleinen Entdeckungen entlang des Weges. Genau das macht es mir unmöglich zu wählen – jedes Projekt entsteht aus einem gemeinsamen Prozess und trägt ein Stück der Menschen in sich, die es geschaffen haben.
Am Ende haben sie alle ihre eigene Seele – und vielleicht ist das das Schönste an dieser Arbeit: zu sehen, wie etwas, das als Idee beginnt, zu einem Objekt wird, das lebt, atmet und seine Geschichte im Raum eines anderen weiterführt.

Frau in einem rosa Anzug, die auf einer Marmortheke in einem stilvollen Raum in Rosatönen sitzt, neben einer Vase mit Blumen.
Nelcya ist halb Iranerin, halb Französin. Sie und Fabrizio lernten sich an der École hôtelière de Lausanne kennen. Foto: Simon171

Innovation und Zukunft

In Mailand haben Sie Robotufting-Technologie eingeführt, um die Grenzen der Teppichproduktion zu erweitern. Welche Möglichkeiten und welche Grenzen sehen Sie in diesem Ansatz?
Das ist in gewisser Weise ein heikles Thema. Der Ruf von cc-tapis basiert auf handgefertigter Produktion, daher mag die Einführung von Robotufting-Technologie fast widersprüchlich erscheinen. Aber wir begegnen dieser neuen Technik mit derselben Neugier und Offenheit, die wir jeder Form des Handwerks entgegenbringen. Im Moment testen und experimentieren wir, loten aus, was diese Maschine leisten kann.
Um ganz ehrlich zu sein, weiß ich noch nicht, wohin uns das führen wird – aber bisher sind die Ergebnisse sehr ermutigend. Wir haben mit Formafantasma an einem Projekt gearbeitet, das aus lokaler Wolle besteht, die von der Modeindustrie verworfen wurde; mit Patricia Urquiola an künstlerischen Wandteppichen aus Econyl, einer Nylonfaser aus recyceltem Plastik; und mit dem Modelabel Sunnei, für deren FW24-Show wir einen großen recycelten Teppich entwickelt haben.
Mal sehen, was als Nächstes kommt – wir sind noch im Entdecken, und genau das macht es so spannend.

Wie sehen Sie die Zukunft des Handwerks in einer zunehmend technologischen Welt?
Zum Glück ist unser Produkt selbst überhaupt nicht technologisch. Wir nutzen Technologie nur rundherum – um den Prozess so effizient und reibungslos wie möglich zu gestalten.
Im Moment ist KI noch ein schrecklicher Designer (lacht), aber sie kann unglaublich nützlich sein, um all die internen Abläufe zu verbessern, die oft langweilig und zeitintensiv sind.

Wie hoffen Sie, die Zukunft der Teppichindustrie zu prägen?
Um Himmels willen, was für eine Frage! Ich bin bereits zutiefst überrascht davon, was wir bisher erreicht haben – daher fühlt sich die Vorstellung, die Zukunft der Teppichindustrie prägen zu wollen, ein wenig überdimensioniert an.
Was mir wirklich wichtig ist, ist, den Geist zu bewahren, der cc-tapis ausmacht. Ich liebe dieses Unternehmen, weil wir jeden Menschen gleich behandeln – ich bin genau dieselbe Person, egal ob ich mit Designern, Kunden oder Webern spreche, und ich erwarte diese Haltung auch von allen, die bei uns arbeiten.
Für mich ist das bereits ein großer Erfolg: ein Unternehmen zu schaffen, in dem Respekt, Neugier und Demut ebenso wichtig sind wie Kreativität.

Colorful geometric rug with eye design on the floor, a small wooden block, and a metal tool placed on top.
Die Kollektion Rebus trägt die Handschrift der iranisch- französischen Architektin India Mahdavi. Foto: Simon171

Persönliches und Inspiration

Welchen cc-tapis-Teppich haben Sie bei sich zu Hause – und warum genau diesen?
Seit der Gründung von cc-tapis im Jahr 2011 habe ich fünfmal das Zuhause gewechselt – ich liebe es, gemeinsam mit meiner Frau Nelcya neue Interieurors zu gestalten. Jedes Haus hatte unterschiedliche Teppiche. Für mich ist es das Haus selbst, das eine bestimmte Behandlung verlangt – ich würde also sagen, das Haus wählt den Teppich.
In dem Zuhause, in dem wir jetzt leben, haben wir Teppiche von Luke Edward Hall aus der Chaâteau-Orlando-Kollektion. Ihr klassischer Geist harmoniert wunderbar mit der Ästhetik des Raums. Für unser kleines Pied-à-terre in Paris war der Ansatz eher rock’n’roll – und da der Preis für Holzböden unerschwinglich war (lacht), haben wir uns stattdessen für einen raumfüllenden Leopardenteppich entschieden.

Welche Rolle spielt ein Teppich für Sie in einem Wohnraum? Ist er ein dekoratives Objekt, ein Designstatement oder ein emotionaler Anker?
Zuerst einmal: Ich hasse Statements (lacht).
Vielleicht war unser wirklich besonderer Ansatz bei cc-tapis von Anfang an, dass wir den Teppich nie als bloß dekoratives Objekt betrachtet haben. Für uns ist er immer ein integraler Bestandteil des gesamten Projekts – etwas, das zur Atmosphäre, zum Dialog, zur Balance eines Raums beiträgt.
Natürlich gibt es immer einen emotionalen Aspekt bei der Wahl eines Teppichs, aber letztlich wird der Weg vom Projekt selbst vorgegeben. Der Teppich folgt dem Raum – nicht umgekehrt.

Gibt es bestimmte Rituale, Materialien oder Orte, die Sie immer wieder inspirieren?
Alles inspiriert mich. Ich bin in einer katholischen Familie aufgewachsen und musste jeden Sonntag in die Kirche gehen. Noch heute könnte ich Ihnen die Marmorböden, die Statuen, die Gemälde, die Fresken beschreiben – all die architektonischen Elemente, die mich damals umgaben. Diese frühen Erinnerungen haben meine Sensibilität für Schönheit, Materialien und Handwerk geprägt.
Heute inspiriert mich am meisten der Austausch mit Menschen. Dialog ist für mich essenziell – ich brauche Gespräch, Konfrontation, Verbindung. Wenn ich zu lange allein wäre, würde ich einfach austrocknen und verschwinden.

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