• 5 min. Lesezeit
  • 15.04.2026
  • von Femke Maleen Fritz

Kunst in Karat – Nachwuchs-Goldschmied Luca Sonnentag über seine Leidenschaft

Roter Lippenstift mit Etui aus Gold und Silber mit geometrischem Muster vor goldbraunem Hintergrund.
Foto von: Luca Sonnentag
  • Ausgabe

    Online Exclusive

  • Ort

    Schwäbisch Gmünd, Deutschland

  • Fotografie

    Luca Sonnentag/Mika Krips

Feilen, Zangen und Gravierstichel liegen griffbereit, eine alte Werkbank mit Einkerbungen erzählt von vielen Arbeitsstunden – Luca Sonnentag sitzt in seiner Werkstatt in der Nähe von Schwäbisch Gmünd, einer kleinen Stadt in Baden-Württemberg, und wirkt ganz in seinem Element. Mit nur 24 Jahren gehört er zu einer selten gewordenen Generation: jungen Menschen, die sich bewusst für das traditionsreiche Goldschmiedehandwerk entscheiden. Für ihn ist es mehr als ein Beruf, es ist Ausdruck, Präzision und Leidenschaft zugleich.

Bei den Deutschen Meisterschaften im Handwerk, den „German Craft Skills”, setzte er sich 2025 gegen die bundesweite Konkurrenz durch und wurde als bester Goldschmiedegeselle Deutschlands ausgezeichnet. Im Interview spricht er über Ehrgeiz, Mechanik und Perfektionismus und darüber, warum echtes Handwerk heutzutage wichtiger ist denn je.

Inhaltsverzeichnis

  1. Vom Lehrling zum Bundessieger

  2. Mechanik trifft Ästhetik: Der Lippenstift als Siegerstück

  3. Die Handwerksmentalität

  4. Schmuck, der Geschichten erzählt

  5. Der Weg in die Zukunft

Überfüllte Werkbank mit Werkzeugen, Notizblock, Messschiebern, Behältern und einer Lederschürze auf einer Holzoberfläche.
Bis Luca Sonnentag seine eigene Werkstatt mit allen essentiellen Werkzeugen und Maschinen ausgestattet hatte, vergingen Jahre. Foto: © Luca Sonnentag

Vom Lehrling zum Bundessieger

Wodurch hast du gespürt, dass Handwerk, Gestaltung und Material dein Ausdrucksmittel sind?
Eigentlich habe ich nie darüber nachgedacht, dass Goldschmieden ein Beruf für mich sein könnte. Aber ich komme aus der Gold- und Silberstadt Schwäbisch Gmünd und auf der Waldorfschule gab es in der Oberstufe Goldschmieden als Wahlfach. Durch meine Lehrerin Frau Engelhardt-Kuntze habe ich meine gestalterische Begabung überhaupt erst erkannt. Schon in den ersten zwei Stunden wusste ich: Das ist es. Es fühlte sich an wie ein fehlendes Puzzlestück. Diese Klarheit wünsche ich mehr Menschen. Ich hatte so viel Spaß daran, dass ich meinen ursprünglichen Plan, Fotograf zu werden, aufgegeben habe – obwohl ich einiges an Equipment besitze und mich jahrelang damit beschäftigt habe. Das Fotografieren ist heute ein sehr hilfreicher Seitenarm, denn auch beim Schmuck ist die Darstellung sehr wichtig.

Es fühlte sich an wie ein fehlendes Puzzlestück. Diese Klarheit wünsche ich mehr Menschen.
Luca Sonnentag
Schwarz-Weiß-Porträt einer Person mit kurzen, hellen Haaren, die ein ärmelloses Oberteil, Halsketten und Ohrringe trägt, vor einem dunklen Hintergrund.
Die Ausbildung zum Goldschmied absolviert Luca Sonnentag im Betrieb „Die Goldschmiede" bei Thomas Raschke in Schwäbisch Gmünd. Foto: © Mika Krips

Wann hast du beschlossen, an der Deutschen Meisterschaft teilzunehmen?
Für mich war das relativ früh klar. Zunächst habe ich drei Jahre lang eine Ausbildung zum Schmuckdesigner absolviert und anschließend eineinhalb Jahre eine Anschlusslehre gemacht. Schon zu Beginn dieser Anschlusslehre erfuhr ich von der Deutschen Meisterschaft. Ich wollte direkt teilnehmen und habe meinen Meister dazu ausgefragt. Die Konkurrenz unter den Teilnehmenden ist allerdings groß – vor allem, weil das Goldschmieden ein Traditionsberuf ist, der oft von Generation zu Generation weitergegeben wird. Trotzdem hatte ich den Ehrgeiz, habe alles gegeben und am Ende hat es sich gelohnt.

Was war die größte Herausforderung während des Wettbewerbs?
Es war ein echtes Auf und Ab. Während der Prüfung war die Konzentration auf Maßhaltigkeit und Präzision so hoch, dass mir vor Anspannung abwechselnd warm und kalt wurde – ich musste ständig meinen Pullover öffnen und schließen. Beim Schmuck spielt Ästhetik eine große Rolle und wenn etwas hakt oder schlecht klingt, ist das direkt ein Ausschlusskriterium. Ich habe mich selbst stark herausgefordert, indem ich die Mechanik eigenständig entworfen und entwickelt habe. Zum Testen habe ich größere Plastikzahnräder genutzt. Die große Frage war, ob das Ganze später in Metall und in Miniatur ebenfalls funktioniert. Auch die Sondertechniken waren sehr aufwendig und fehleranfällig, das erforderte enorme Konzentration. Es war eine sehr anstrengende Woche, abends bin ich ins Bett gefallen und morgens direkt wieder in die Werkstatt gegangen.

Ein metallischer, rechteckiger Lippenstift mit kreisförmigen Mustern und einem teilweise geöffneten Deckel steht vor einem warmen, gelb-orangefarbenen Hintergrund.
Für die Abschlussprüfung seiner Goldschmiedelehre konstruierte Luca Sonnentag in 32 Stunden Handarbeit einen funktionalen Lippenstift mit selbst entwickelter Mechanik. Foto: © Luca Sonnentag

Mechanik trifft Ästhetik: Der Lippenstift als Siegerstück

Dein Lippenstift hat die Jury besonders überzeugt. Was macht dieses Werk aus handwerklicher Sicht so außergewöhnlich?
In der Prüfung zählen besonders Gestaltung und Mechanik. Durch meine Ausbildung als Schmuckdesigner lag mein Fokus stark auf der Stilistik, aber glänzen wollte ich mit der Mechanik. Ich habe bestehende Lippenstifte analysiert und schließlich ein eigenes System entwickelt: eine Zahnradmechanik mit einem Zwei-zu-eins-Mechanismus. Statt zu drehen, schiebt man den Lippenstift und er fährt doppelt so schnell heraus. Stilistisch habe ich mich für das Tauschieren entschieden, eine antike und sehr anspruchsvolle Technik. Ich habe experimentell gearbeitet, eigene Werkzeuge gebaut und eine Lösung gefunden, die perfekt funktioniert. In so einem Stück stecken tausende Entscheidungen.

Wo lagen die größten handwerklichen Herausforderungen während des Entstehungsprozesses?
Das Werk ist hochpräzise. Es besteht aus drei Rohren, die ineinander stecken, weshalb die Maßhaltigkeit unglaublich hoch sein muss. Sie dürfen nicht wackeln, sondern müssen absolut gerade hochfahren. Gleichzeitig musste ich darauf achten, dass innen kein Vakuum entsteht, das den Mechanismus blockiert. In Kombination mit dem enormen Zeitdruck ergab das eine explosive Mischung. Für die Prüfung standen nur 32 Stunden zur Verfügung, für ein solches Stück ist das sehr knapp. Am Ende hat aber alles perfekt funktioniert: In der letzten halben Stunde habe ich noch den finalen Schliff gemacht.

Finger, die eine Lippenstifthülle aus Metall mit mehreren kleinen Goldringen halten, vor einem unscharfen Hintergrund.
Nahaufnahme einer Person, die einen mit kleinen Goldringen gefüllten Behälter hält, der das Licht reflektiert, von oben gesehen.
Finger, die eine Lippenstifthülle aus Metalls halten, auf dessen Oberfläche verschiedene kreisförmige Muster eingraviert sind.

Die Handwerksmentalität 

Was machst du, wenn du nicht in der Werkstatt stehst?
Ich koche sehr gerne. Interessanterweise ist das bei vielen Goldschmieden so, alle meine bisherigen Lehrmeister waren ebenfalls ambitionierte Köche. Ich sehe viele Parallelen: das Kombinieren von Zutaten, das Entwickeln eigener Rezepte und das Arbeiten mit allen Sinnen.

Wie verlief dein Weg von den ersten handwerklichen Versuchen bis zur abgeschlossenen Ausbildung als Goldschmied?
Ich habe großes Glück mit meiner Familie. Als Kinder haben wir mit unserem Vater viel in seiner Werkstatt gebastelt: Lampenschirme, Achterbahnen – alles Mögliche. Dadurch wurde ich früh handwerklich gefordert und war in der Ausbildung recht begabt. Zusätzlich hatte ich den Vorteil, in der Schule zwei Jahre lang jede Woche vier Stunden Goldschmieden zu können. Ich war von Anfang an Jahrgangsbester und wurde in der Anschlusslehre schließlich Bundessieger.

Welche Eigenschaften sind für deine Arbeit am wichtigsten?
Perfektionismus und Fingerspitzengefühl. Früher hat mich mein Perfektionismus eher genervt, beim Goldschmieden ist er ideal. Dazu kommt ein ausgeprägtes Gefühl für Ästhetik – also die Fähigkeit, Form, Proportion und Wirkung intuitiv zu erfassen. Geduld ist ebenfalls sehr wichtig, die musste ich mir aneignen. Aber ohne Ehrgeiz funktioniert es nicht. Man muss dranbleiben und offen dafür sein, ständig Neues zu lernen. Goldschmieden ist so komplex, dass man nie auslernt.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei dir aus?
Das Schöne ist, dass kein Tag bei mir gleich aussieht. Ich mache alles selbst – vom flüssigen Material bis zum fertigen Schmuckstück mit gefassten Steinen. In meinem Ausbildungsbetrieb kommen ganz unterschiedliche Menschen vorbei: Professoren, Künstler, Kollegen. Wir bieten viele verschiedene Schmuckstücke an und ich gehe immer individuell auf die jeweilige Person ein. Ich liebe es, Kunden zu beraten und herauszufinden, welche Form, welches Material und welche Proportion zu ihnen passt. Mir macht es Spaß, all diese unterschiedlichen Ideen umzusetzen. Dabei merke ich, dass sich die Mentalität von maschinengefertigten Produkten wieder hin zu individuellen, handgefertigten Objekten bewegt.

Nahaufnahme von Goldschmiede-Werkzeugen, darunter eine Zahnstange, eine kleinere Stange mit Zähnen und ein zylindrisches Zahnrad, auf einer Holzoberfläche.
Den Großteil seiner Zeit verbringt Luca Sonnentag an der Werkbank. Foto: © Luca Sonnentag

Was bedeutet für dich echte Handarbeit in einer Zeit, in der vieles digital oder industriell produziert wird?
Echte Handarbeit steht für mich vor allem für Qualität und Transparenz. Gerade bei hochwertigen und entsprechend kostspieligen Materialien ist Ehrlichkeit entscheidend – sowohl in der Preisgestaltung als auch in der Verarbeitung. Ein Schmuckstück muss nicht nur von außen überzeugen, sondern auch von innen und von hinten sauber verarbeitet sein. Diese Sorgfalt ist ein klares Qualitätsmerkmal, das selbst ohne bewusste Benennung sofort ins Auge fällt. Auch minimale Kratzer, die nur unter dem Mikroskop sichtbar sind, gehören für mich überprüft. Ein Schmuckstück sollte den Laden erst verlassen, wenn man vollkommen zufrieden ist.
Fest verknüpft mit echter Handarbeit ist für mich außerdem Langlebigkeit. Ein handgefertigtes Schmuckstück entsteht mit dem Anspruch, Generationen zu überdauern: konstruktiv durchdacht, robust gefertigt und jederzeit reparierbar. Es ist kein kurzlebiges Accessoire, sondern ein Objekt mit Bestand, das im Idealfall weitergegeben wird. Im Gegensatz dazu, ist schnell produzierter Modeschmuck oft auf kurzfristige Wirkung ausgelegt. Er verliert rasch an Substanz und fördert einen Konsum, der weder gestalterisch noch materiell nachhaltig ist.

Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit und bewusster Materialeinsatz in deiner Arbeit als Goldschmied?
Eine sehr große. Ich sehe, wie viel im Edelmetall- und Edelsteinabbau falsch läuft und besonders meine Generation hat dafür ein starkes Bewusstsein entwickelt. Ich arbeite ausschließlich mit recyceltem Gold und Silber aus zertifizierten Scheideanstalten. Auch bei Edelsteinen gibt es zunehmend transparente Bezugsquellen. Für Materialien wie Elfenbein existieren heute hervorragende Alternativen, etwa die Steinnuss aus Afrika. Verantwortung gehört für mich untrennbar zum Handwerk.

Ein Choker mit Emailleplatten, auf denen handgezeichnete Käfer und die Jahreszahlen 1960 bis 1967 eingraviert sind.
Der Silber-Choker „The Silent Summer” von Luca Sonnentag zeigt 14 ausgestorbene Käferarten, die mit Graphit von Hand auf Emaille gezeichnet und bei 800°C gebrannt wurden. Beschriftet sind sie jeweils mit dem Jahr ihrer letzten Sichtung. Foto: © Mika Krips
Goldschmieden ist ein selten gewordenes, stark traditionsgeprägtes Handwerk.
Luca Sonnentag

Wie wichtig ist dir die Verbindung von Tradition und Innovation?
Sie ist mir sehr wichtig, ich möchte ein Vorreiter für das Handwerk sein. Für mich bedeutet das, altes Fachwissen über traditionelle Techniken zu bewahren und es zugleich in eine zeitgemäße Form zu übersetzen. Goldschmieden ist ein selten gewordenes, stark traditionsgeprägtes Handwerk. Viele Techniken haben sich über Jahrtausende bewährt, an Werkzeugen und Arbeitsweisen hat sich erstaunlich wenig verändert. Jedoch existieren hochspezialisierte, komplexe Verfahren, die nicht aus Büchern gelernt werden, sondern über Jahre hinweg in der Praxis weitergegeben werden. Geht dieses Erfahrungswissen verloren, lässt es sich kaum rekonstruieren. Die Geschichte zeigt immer wieder, wie schmerzhaft solche Wissensverluste sind. Deshalb empfinde ich es als klare Verantwortung, dieses handwerkliche Know-how lebendig zu halten und nicht dem Vergessen preiszugeben. Aus diesem Grund möchte ich auch unbedingt noch den Meister machen – um Wissen weiterzugeben, Qualität zu sichern und das Handwerk nachhaltig zu stärken. Jedoch ist es entscheidend, neue Entwicklungen im Blick zu behalten und zu überlegen, wie sich das Alte sinnvoll mit dem Neuen verbinden lässt. 

Schmuck, der Geschichten erzählt

Woher nimmst du die Inspiration für deine Designs – aus Alltagsobjekten, Kunst, Architektur oder aus dem Material selbst?
Aus allem. Ich denke ständig über Schmuck nach und träume sogar davon. Vieles entsteht durch Ausprobieren, Recherchieren und das Beobachten neuer Dinge. Inspiration kommt aus der Natur, aus Alltagsgegenständen oder aus winzigen Details unter dem Mikroskop. Dabei spielt auch meine ausgeprägte Vorstellungskraft eine große Rolle, neue Ideen entstehen oft sehr klar vor meinem inneren Auge. Wenn ich ganz frei arbeite, darf ein feiner Humor einfließen. Der Lippenstift ist ein gutes Beispiel: Ein Alltagsprodukt, das man teilweise schon für wenige Euros bekommt – technisch neu gedacht und handwerklich so komplex umgesetzt, dass es nun einen außergewöhnlichen Preis hat.

Hand, die eine Skizze von vier symmetrisch angeordneten Fischen hält, mit Bleistift auf weißem Papier gezeichnet.
Eine der zahlreichen Skizzen aus Luca Sonnentags Skizzenbuch. Foto: © Luca Sonnentag

Wie beginnt bei dir ein neues Schmuckstück?
Fast immer mit einer Skizze. Danach folgt viel Theorie, bei komplexen Stücken zusätzlich Mathematik. Erst wenn der Plan steht, beginne ich mit der Umsetzung. Einfach darauf los zu arbeiten führt je nach Arbeitstechnik auch immer wieder zu einer Schmuckleiche.

Welches deiner Werke liegt dir besonders am Herzen?
Das ist schwer zu sagen – ich habe kein einzelnes „Lieblingskind”. Der Lippenstift und ein weiteres meiner Lieblingsstücke sind aktuell auf Deutschland- und Weltreise und wandern von Ausstellung zu Ausstellung. Sehr besonders ist aber ein Fisch, den ich für eine mir sehr wichtige Person geschmiedet habe: ein Bodenseefelchen mit vielen persönlichen Details. Emotional steckt darin enorm viel. Außerdem reizen mich generell Stücke mit komplizierter Technik, etwa Dosen mit Federscharnieren, die sich auf Knopfdruck selbst öffnen. Ich habe noch viele weitere Stücke mit besonderen Techniken gefertigt, die jeweils ihren eigenen hohen ideellen Wert für mich tragen.

Ein metallischer Fisch schwimmt zwischen leuchtend roten und blauen, verdrehten Bändern vor einem strahlend blauen Hintergrund.
Das Bodenseefelchen von Luca Sonnentag ist ein tragbarer Anhänger aus 925er Sterlingsilber und historischem Holz, besetzt mit zwei rosa Turmalin-Cabochons. Seine individuell gearbeiteten Gelenke ermöglichen es, die fließenden Bewegungen eines echten Fisches naturgetreu zu imitieren. Foto: © Luca Sonnentag

Der Weg in die Zukunft

Laut der Deutschen Industrie- und Handelskammer gab es 2024 bundesweit lediglich 66 Ausbildungsverhältnisse im Gold- und Silberschmiedehandwerk, im Jahr zuvor waren es sogar nur 63. Den rückläufigen Lehrlingsbestand bestätigt auch der Zentralverband des Deutschen Handwerks: Dieser sank von 1.444 Auszubildenden im Jahr 1998 auf nur noch 471 im Jahr 2024 – ein Rückgang von rund 67 Prozent.

Das Handwerk braucht wieder eine Bühne, um zu zeigen, dass man darin aufgehen und sein Hobby zum Beruf machen kann.
Luca Sonnentag

Was müsste sich ändern, damit mehr junge Menschen diesen Beruf ergreifen?
Man müsste häufiger davon hören. Ich bin selbst nur zufällig zum Goldschmieden gekommen. Das Handwerk braucht wieder eine Bühne, um zu zeigen, dass man darin aufgehen und sein Hobby zum Beruf machen kann. Ich habe ein mehrjähriges Stipendium der Begabtenförderung erhalten – vorher hätte ich nie gedacht, dass es so etwas überhaupt für Goldschmiede gibt. 

Wenn ein Jugendlicher heute überlegt, Goldschmied zu werden – was würdest du ihm ehrlich sagen?
Goldschmieden ist anspruchsvoll, man muss unbedingt dran bleiben. Niemand startet als Profi, am Anfang ist vieles krumm und schief. Wichtig ist es, nicht den Mut zu verlieren und ehrgeizig zu bleiben. Mit der Zeit wird man immer besser und die Erfolgserlebnisse häufen sich. Wenn das Lot richtig fließt, ist das ein echtes Glücksgefühl. Ich habe inzwischen viele solcher Momente am Tag.

Gibt es Materialien, Techniken oder Themen, mit denen du künftig verstärkt experimentieren möchtest?
Ich möchte eine kleine Kollektion mit der Steinnuss umsetzen. Außerdem interessiert mich die Sondertechnik Mitsuro Hikime. Dabei arbeitet man mit einem japanischen Wachsgemisch, das immer wieder gezogen und gefaltet wird – ähnlich wie Teig oder Bonbons. Aus den entstehenden Strängen lassen sich tolle Formen entwickeln. Ich kann mir gut vorstellen, nach dem Meister mit dieser Technik den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen, vielleicht auch mit einem Online-Shop.

Eine silberne Halskette mit einem Medaillon, der mit zwei Edelsteinen besetzt ist, vor einem rosa Hintergrund mit Herzmuster.
„Smitten Locket”: Dieses silberne Herz-Medaillon fertigte Luca Sonnentag speziell zum Valentinstag an. Foto: © Luca Sonnentag

Wie sehen deine nächsten beruflichen Schritte aus?
Ich möchte mein Stipendium nutzen und ins Ausland gehen, um von noch mehr Meistern zu lernen. Man kann es ein wenig als moderne Walz verstehen: Reisen, in verschiedenen Werkstätten arbeiten, Erfahrungen sammeln. Netzwerke sind im Handwerk sehr wichtig, zumal es nicht viele Goldschmiede gibt. Man kennt sich, es fühlt sich fast wie eine große Familie an. Durch einige meiner preisgekrönten Stücke folgen mir inzwischen sogar viele meiner Idole.
Goldschmieden ist unglaublich vielfältig: Zehn Goldschmiede finden zehn unterschiedliche Lösungswege für dasselbe Problem. Das ist für meine persönliche Entwicklung sehr spannend. Zunächst zieht es mich nach Stockholm, wo mein Meister 20 Jahre gearbeitet hat und gute Kontakte pflegt. Danach geht es nach Australien, dort werde ich zwei bis drei Monate arbeiten. Wenn ich meine Wissbegierde etwas stillen konnte, möchte ich den Meister machen. Ich freue mich sehr darauf, wieder ein großes Prüfungsstück zu realisieren. Mit dem Meister hätte ich den Bachelorabschluss und könnte später noch ein Studium anschließen, denn auch theoretisch möchte ich mich weiterentwickeln.

Wenn du fünf Jahre in die Zukunft blickst: Wofür soll der Name Luca Sonnentag im Handwerk stehen?
Für Qualität, Ehrlichkeit und gutes Design. Ich arbeite schon lange an einem Plan für eine sinnvolle, effiziente Selbstständigkeit. Irgendwann erfolgreich selbstständig zu sein, ist klar mein Ziel. Mein Name soll für Vertrauen stehen. Dafür, dass man jede Frage stellen kann und ehrliche Antworten bekommt. Ich möchte das Handwerk erhalten und zeigen, warum es so wertvoll ist.

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