
- 4 min.
- 04.09.2026

Ausgabe
04/26
Ort
Kaysersberg, Frankreich
Fotografie
Ilya Kagan
Eine Reise nach Kaysersberg – idyllisch gelegen rund zehn Kilometer nordwestlich von Colmar im Herzen des Elsass – offenbart weit mehr als eine malerische Postkartenidylle. Wer das Le Chambard betritt, findet dessen lebendiges Herz. Seit 25 Jahren führen Olivier und Patricia Nasti in einem historischen Anwesen aus dem 18. Jahrhundert eine Pilgerstätte für Genießer und beweisen dabei, wie nahbar, herzlich und entspannt Spitzengastronomie sein kann.
Das ehrwürdige Anwesen fügt sich wie selbstverständlich ein in die Kulisse aus alten Fachwerkhäusern, verwinkelten Gassen und sanft ansteigenden Rebhängen. Das Städtchen selbst bietet viel Charme, doch berühmt gemacht hat diesen Ort das Ehepaar Nasti. Seit der Übernahme des Hauses im Jahr 2000 haben die beiden mit unermüdlicher Leidenschaft ihr Lebenswerk erschaffen: Ein Fünf-Sterne-Hotel der Vereinigung Relais & Châteaux, das mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichnete Gourmetrestaurant La Table d’Olivier Nasti, die traditionelle Winstub, eine hauseigene Boulangerie sowie eine Chocolaterie.
Trotz dieser beeindruckenden Auszeichnungen sucht man hier vergeblich nach elitärer Distanz. Das Geheimnis des Hauses liegt in den Menschen. Wer Olivier Nasti gegenübersteht, bemerkt sofort diese besondere Ruhe und Bodenständigkeit. Trotz seiner beeindruckenden Karriere – ausgezeichnet als Meilleur Ouvrier de France und prämiert mit zwei Michelin-Sternen – begegnet der Küchenchef seinen Gästen mit einer tiefen, unaufgeregten Nahbarkeit. Nasti ist ein bodenständiger Jäger, Sammler und Gastgeber. Oft bricht er schon frühmorgens in die Wälder der Vogesen auf, um Kräuter, Pilze und frische Inspirationen für seine Küche in der Natur zu finden.
An der Seite des renommierten Chefs steht Ehefrau Patricia Nasti, die gute Seele des Hauses. Sie empfängt ihre Gäste mit einer so natürlichen Wärme, dass man sich augenblicklich willkommen fühlt. Sie ist es auch, die einst die steifen Krawatten im Service abschaffte und damit für mehr Leichtigkeit sorgte.

Diese Ruhe und spürbare Harmonie im Team dürfen Gäste hautnah miterleben, selbst in Momenten hoher Belastung. Während des Besuchs stand das traditionelle Coq au Riesling Dinner in der Winstub kurz bevor – ein Event in Zusammenarbeit mit dem renommierten Weingut Domaine Weinbach. Der Fokus liegt ganz auf dem Klassiker der elsässischen Küche: zartes Geflügel, Speck und Pilze kombiniert mit der feinen Säure des regionalen Rieslings.
Ein Blick durch das Fenster der offenen Küche zeigt: Es wird unter Hochdruck vorbereitet, geschwenkt und angerichtet. Trotzdem herrscht keine Spur von Hektik. Das Team arbeitet Hand in Hand, extrem fokussiert und perfekt aufeinander eingestimmt. Weil in den elsässischen Weinbergen der passende Tropfen niemals fehlen darf, vollendet Chefsommelier Jean-Baptiste Klein – vom Guide Gault & Millau als „Sommelier des Jahres 2024“ ausgezeichnet – jedes Gericht mit einer feinen Weinbegleitung.
Ob im eleganten Gourmetrestaurant oder in der gemütlichen Winstub, die 2013 dem Zwei-Sterne-Restaurant folgte: Mit hellem Holz, rot-karierten Kissen und großen Eichentischen feiert Nasti die elsässischen Besonderheiten. Der Respekt vor dem Produkt, dem Tier und den Erzeugern prägt spürbar jeden einzelnen Gang.
Für Olivier Nasti ist die Jagd eine Leidenschaft, die ihn das ganze Jahr über begleitet. Als herbstlicher Höhepunkt findet vom 12. Oktober bis zum 17. November 2026 die vierte Edition des Festival de la Chasse im Le Chambard statt. Im Rahmen dieses Festivals wird am 27. Oktober 2026 zudem das Championnat du Monde de la Tourte de Gibier ausgetragen. Bei der Weltmeisterschaft der Wildpastete treten internationale Talente gegeneinander an, um den anspruchsvollen Klassiker Pithiviers, eine feine Wildpastete im Blätterteigmantel, zu kreieren.
Auch das Frühstück am nächsten Morgen in der Winstub ist ein echter Höhepunkt. Neben regionalem Bauernkäse begeistert vor allem die außergewöhnliche Gebäckauswahl aus der hauseigenen Boulangerie Levain. Unbedingt probieren sollte man den traditionellen elsässischen Kougelhopf – die regionale Variante des Gugelhupfs, gebacken mit hauseigenem Sauerteig.
Nach dem ausgiebigen Genuss führt ein Spaziergang vom Le Chambard direkt hinein in die Weinberge um Kaysersberg. Selbst ein feiner, herbstlicher Nieselregen kann diesem Moment nichts anhaben. Während der Nebel sanft über die Hänge zieht und der Blick weit über das historische Städtchen schweift, vergisst man das Wetter im Nu.
Vor der Abreise lohnt sich noch ein Abstecher in die hauseigene Chocolaterie Skulptur auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Mit einem der charakteristischen „Manala“-Schokomännchen im Gepäck (einer Hommage an die traditionelle Figur der Region, gefüllt mit fluffigem Vanille-Marshmallow) nimmt man eine süße Erinnerung mit nach Hause.

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